Coach:
Ole Böseke
Tag 8: Fünf Sekunden früher


So trainierst du fünf Sekunden früher

Heute beginnt Woche 2.

In Woche 1 hast du den alten Ablauf sichtbar gemacht.

Jetzt trainierst du den Moment davor.

Das ist wichtig, weil viele Veränderungen in Beziehungen zu spät ansetzen.

Du willst den Streit ändern, wenn er schon läuft.

Du willst ruhig bleiben, wenn du innerlich längst über der Schwelle bist.

Du willst einen guten Satz sagen, obwohl dein Körper schon den alten Satz vorbereitet.

Heute gehst du früher ran.

Nicht viel früher.

Nur fünf Sekunden.

Fünf Sekunden vor deiner alten Reaktion.

Das ist der Moment, in dem du noch nicht komplett im alten Ablauf bist.

Vielleicht spürst du schon Druck.

Vielleicht wird dein Ton schon schärfer.

Vielleicht willst du gleich erklären.

Vielleicht willst du gleich schweigen.

Vielleicht willst du gleich „Schon gut“ sagen, obwohl es nicht gut ist.

Genau dort setzt die Übung an.

Die heutige Übung

Du arbeitest heute mit einer typischen Szene.

Bitte nimm keine Ausnahmesituation.

Nimm eine Szene, die du kennst.

Eine, bei der deine alte Reaktion oft schnell anspringt.

Du füllst fünf Punkte aus:

Die typische Szene

Meine alte Reaktion

Fünf Sekunden davor passiert in mir …

Meine kleine Unterbrechung

Mein neuer Startsatz

Nimm dir dafür 15 bis 20 Minuten.

Schritt 1

Die typische Szene

Wähle eine konkrete Situation.

Nicht:

„Wenn wir streiten.“

Das ist zu groß.

Besser:

„Wenn ich etwas anspreche und er sagt: Nicht schon wieder.“

Oder:

„Wenn er schweigt, obwohl ich eine Antwort brauche.“

Oder:

„Wenn er genervt schaut und ich sofort merke, dass ich mich zurücknehme.“

Oder:

„Wenn ich Nähe suche und er auf Abstand geht.“

Oder:

„Wenn ich merke, dass ich alles wieder allein organisiere.“

Schreibe:

Die typische Szene ist …

Schritt 2

Meine alte Reaktion

Was machst du in dieser Szene meistens?

Wähle eine Reaktion.

Zum Beispiel:

Ich erkläre zu viel.

Ich werde scharf.

Ich werde klein.

Ich schweige.

Ich frage mehrfach nach.

Ich kontrolliere.

Ich mache alles allein.

Ich sage „egal“, obwohl es nicht egal ist.

Ich ziehe mich innerlich zurück.

Ich werde sachlich, obwohl ich eigentlich verletzt bin.

Schreibe:

Meine alte Reaktion ist …

Wichtig:

Hier geht es nicht darum, dich zu bewerten.

Du beschreibst nur den alten Bewegungsablauf.

Wie beim Sport.

Wenn jemand beim Laufen immer mit der Schulter hochzieht, ist das kein Charakterfehler.

Es ist eine Bewegung.

Und Bewegungen kann man trainieren.

Schritt 3

Fünf Sekunden davor passiert in mir …

Jetzt gehst du näher ran.

Was passiert kurz vor deiner alten Reaktion?

Nicht eine Stunde vorher.

Nicht nach dem Streit.

Direkt davor.

Vielleicht:

Mein Brustkorb wird eng.

Ich halte den Atem an.

Ich denke: „Jetzt reicht es.“

Ich bekomme Angst, dass wieder nichts geklärt wird.

Ich will sofort beweisen, dass ich recht habe.

Ich fühle mich plötzlich klein.

Ich will ihn treffen.

Ich will verschwinden.

Ich will die Stimmung retten.

Ich will den Punkt endlich festnageln.

Schreibe:

Fünf Sekunden davor passiert in mir …

Wenn du mehrere Dinge bemerkst, wähle das deutlichste.

Für heute reicht ein Hinweis.

Schritt 4

Meine kleine Unterbrechung

Jetzt brauchst du eine kleine Unterbrechung.

Nicht groß.

Nicht dramatisch.

Nicht brillant.

Nur etwas, das dich kurz aus der alten Bahn holt.

Zum Beispiel:

Ein Atemzug.

Hand auf den Tisch.

Beide Füße auf den Boden.

Ein Schluck Wasser.

Einmal langsamer sprechen.

Drei Sekunden warten.

Den Satz innerlich stoppen.

Kurz sagen: „Moment.“

Die Unterbrechung ist kein Trick.

Sie ist eine kleine Bremse.

Sie schafft einen Spalt zwischen Reiz und Reaktion.

Und dieser Spalt ist der Trainingsraum.

Schreibe:

Meine kleine Unterbrechung ist …

Schritt 5

Mein neuer Startsatz

Nach der Unterbrechung brauchst du einen Satz, mit dem du anders wieder einsteigst.

Auch dieser Satz muss klein bleiben.

Er soll nicht alles klären.

Er soll nur verhindern, dass du sofort in den alten Ablauf gehst.

Beispiele:

„Ich will jetzt nicht in unseren alten Ablauf.“

„Ich merke, ich werde gerade schneller. Ich sortiere mich kurz.“

„Ich sage meinen Punkt einmal und höre dann auf.“

„Ich brauche eine klare Antwort, aber ich will nicht bohren.“

„Ich bin verletzt, aber ich will nicht scharf werden.“

„Ich merke, dass ich gerade verschwinden will. Ich brauche einen Moment.“

„Ich will das klären, aber nicht in diesem Ton.“

„Ich brauche kurz Pause, damit ich nicht wieder klein werde.“

Schreibe:

Mein neuer Startsatz ist …

Ein Beispiel

Die typische Szene ist …

Ich spreche an, dass wir kaum noch Zeit miteinander verbringen. Er sagt: „Jetzt mach bitte nicht wieder so ein Thema daraus.“

Meine alte Reaktion ist …

Ich erkläre zu viel und versuche, ihn doch noch zu überzeugen.

Fünf Sekunden davor passiert in mir …

Ich werde eng im Brustkorb und denke: „Er nimmt mich wieder nicht ernst.“

Meine kleine Unterbrechung ist …

Ich atme einmal aus und lege meine Hand auf den Tisch.

Mein neuer Startsatz ist …

„Ich merke, ich will gerade wieder viel erklären. Ich sage es einmal klar: Mir fehlt Zeit mit dir.“

Noch ein Beispiel

Die typische Szene ist …

Er schweigt, obwohl ich eine Antwort brauche.

Meine alte Reaktion ist …

Ich frage mehrfach nach und werde immer unruhiger.

Fünf Sekunden davor passiert in mir …

Ich bekomme Druck im Bauch und denke: „Wenn ich jetzt nicht dranbleibe, kommt wieder gar nichts.“

Meine kleine Unterbrechung ist …

Ich stelle beide Füße auf den Boden und warte drei Sekunden.

Mein neuer Startsatz ist …

„Ich merke, dass ich bohren will. Ich stelle dir jetzt eine klare Frage und dann warte ich.“

Wenn du den Moment erst später bemerkst

Das wird passieren.

Vielleicht merkst du den Moment heute nicht in der Situation.

Vielleicht erst zehn Minuten später.

Vielleicht abends.

Vielleicht erst morgen früh unter der Dusche.

Das ist kein Scheitern.

Dann schreibst du ihn nachträglich auf.

„Da hätte ich fünf Sekunden früher merken können: Jetzt gehe ich in meine alte Reaktion.“

Auch das ist Training.

Erst sieht man den Moment hinterher.

Dann währenddessen.

Irgendwann früher.

Genau so entsteht Veränderung.

Was du heute nicht tun musst

Du musst heute nicht die ganze Beziehung verändern.

Du musst nicht perfekt ruhig bleiben.

Du musst deinem Partner nicht erklären, dass du jetzt fünf Sekunden früher trainierst.

Du musst auch nicht aus jeder Situation eine Übung machen.

Eine Szene reicht.

Ein Moment reicht.

Eine kleine Unterbrechung reicht.

Tagesaufgabe

Fülle diese fünf Punkte aus:

Die typische Szene ist …

Meine alte Reaktion ist …

Fünf Sekunden davor passiert in mir …

Meine kleine Unterbrechung ist …

Mein neuer Startsatz ist …

Danach lies dir Punkt 4 und 5 laut vor.

Deine Unterbrechung und dein neuer Startsatz müssen dir vertrauter werden.

Nicht schön.

Vertraut.

Mini-Transfer für den Alltag

Achte heute nur auf diesen einen Punkt:

Was passiert in mir fünf Sekunden vor meiner alten Reaktion?

Du musst es nicht jedes Mal stoppen.

Du sollst es früher bemerken.

Das ist für heute genug.

 

Merksatz

Der beste Trainingsmoment liegt vor dem Satz, den du später bereust.

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