Tag 6
Der Preis des alten Ablaufs
So erkennst du den Preis des alten Ablaufs
Heute geht es um den Preis.
Nicht um Schuld.
Nicht um Selbstmitleid.
Nicht um eine große Abrechnung.
Nur um eine ehrliche Frage:
Was kostet es dich, wenn dieser Ablauf so weitergeht?
Viele Frauen halten lange durch.
Sie funktionieren.
Sie machen weiter.
Sie schlafen schlechter.
Sie lachen seltener.
Sie werden dünnhäutiger.
Sie verlieren Lust.
Sie verlieren Weichheit.
Sie verlieren Mut.
Und weil das alles schleichend passiert, wirkt es lange normal.
Man sagt sich:
„Es ist gerade eben schwierig.“
„Andere haben auch Probleme.“
„Vielleicht wird es wieder besser.“
„So schlimm ist es ja nicht jeden Tag.“
Das kann alles stimmen.
Trotzdem bleibt die Frage:
Was zahlst du inzwischen dafür?
Denn jeder alte Ablauf hat Kosten.
Manche Kosten sieht man sofort.
Schlaflose Nächte.
Streit.
Tränen.
Erschöpfung.
Dieses dumpfe Gefühl im Bauch, wenn wieder ein Gespräch bevorsteht.
Andere Kosten sind leiser.
Du wirst vorsichtiger.
Du erzählst weniger.
Du hoffst weniger.
Du freust dich weniger auf ihn.
Du wirst innerlich härter.
Du rechnest mehr mit Enttäuschung als mit Nähe.
Heute schreibst du diese Kosten auf.
Nicht, um dich hineinzusteigern.
Sondern damit du aufhörst, den Preis kleinzureden.
Die heutige Übung
Du arbeitest heute mit vier Sätzen:
Es kostet mich innerlich …
Es kostet uns als Paar …
Es kostet mich als Mensch …
Wenn ich das weitere sechs Monate mittrainiere, passiert wahrscheinlich …
Nimm dir 15 bis 20 Minuten.
Bitte schreibe ehrlich.
Nicht tapfer.
Nicht hübsch.
Ehrlich.
Schritt 1
Es kostet mich innerlich …
Zuerst schaust du auf dich.
Was passiert in dir, wenn dieser Ablauf immer wieder läuft?
Verlierst du Ruhe?
Schlaf?
Leichtigkeit?
Vertrauen in deine Wahrnehmung?
Geduld mit dir selbst?
Lust auf Nähe?
Das Gefühl, in dir zu Hause zu sein?
Vielleicht merkst du auch:
Du wirst schneller gereizt.
Du wartest ständig auf den nächsten kleinen Stich.
Du kannst schöne Momente kaum noch genießen, weil ein Teil von dir schon mit dem nächsten Kippen rechnet.
Bitte schreibe nicht nur:
„Es kostet mich Kraft.“
Das stimmt vermutlich. Aber es bleibt zu grob.
Schreibe genauer.
Beispiele:
„Es kostet mich innerlich Ruhe, weil ich ständig mit dem nächsten Rückzug rechne.“
„Es kostet mich Vertrauen in mich, weil ich meine Wahrnehmung immer wieder infrage stelle.“
„Es kostet mich Leichtigkeit, weil ich fast alles vorher abtaste.“
„Es kostet mich Lust auf Nähe, weil ich innerlich schon vorsichtig werde.“
Schreibe:
Es kostet mich innerlich …
Schritt 2
Es kostet uns als Paar …
Jetzt schaust du auf euch.
Was verliert ihr miteinander?
Echte Gespräche?
Wärme?
Humor?
Körperliche Nähe?
Respekt im Alltag?
Den Mut, schwierige Dinge anzusprechen?
Das Gefühl, ein Team zu sein?
Einen guten Blick füreinander?
Manchmal verlieren Paare nicht sofort die Beziehung.
Sie verlieren zuerst die Unbefangenheit.
Dieses kleine Gefühl:
„Mit dir bin ich gern.“
Oder:
„Bei dir muss ich nicht ständig aufpassen.“
Wenn das leiser wird, ist das ein hoher Preis.
Beispiele:
„Es kostet uns als Paar Humor, weil fast alles schnell angespannt wird.“
„Es kostet uns echte Gespräche, weil wir beide schon mit Abwehr rechnen.“
„Es kostet uns körperliche Nähe, weil innerlich zu viel offen bleibt.“
„Es kostet uns Teamgefühl, weil wir immer öfter gegeneinander denken.“
Schreibe:
Es kostet uns als Paar …
Schritt 3
Es kostet mich als Mensch …
Diese Frage geht tiefer.
Was passiert mit dir, wenn du dauerhaft in diesem Muster bleibst?
Nicht nur als Partnerin.
Als Mensch.
Wirst du kleiner?
Wirst du härter?
Wirst du misstrauischer?
Verlierst du Freude?
Verlierst du Weichheit?
Wirst du zu jemandem, der ständig wartet?
Wirst du zu jemandem, der mehr aushält, als ihr guttut?
Erkennst du dich manchmal selbst kaum wieder?
Diese Frage ist wichtig, weil manche Frauen sagen:
„Ich kann das schon noch aushalten.“
Vielleicht stimmt das.
Aber die bessere Frage lautet:
Wer werde ich, wenn ich das weiter aushalte?
Beispiele:
„Es kostet mich als Mensch meine Weichheit. Ich merke, dass ich innerlich immer härter werde.“
„Es kostet mich als Mensch meine Freude. Ich funktioniere mehr, als ich lebe.“
„Es kostet mich als Mensch mein Vertrauen in mich. Ich frage mich ständig, ob ich zu viel verlange.“
„Es kostet mich als Mensch meine Würde, weil ich Dinge hinnehme, die ich längst nicht mehr gutheiße.“
Schreibe:
Es kostet mich als Mensch …
Schritt 4
Der Sechs-Monate-Satz
Jetzt kommt der wichtigste Teil.
Vervollständige diesen Satz:
Wenn ich das weitere sechs Monate mittrainiere, passiert wahrscheinlich …
Bitte achte auf das Wort wahrscheinlich.
Du musst keinen Katastrophenfilm schreiben.
Es geht nicht um den schlimmsten Fall.
Es geht um die wahrscheinlichste Fortsetzung, wenn niemand etwas anders macht.
Noch ein Beispiel
Es kostet mich innerlich …
… Vertrauen in meine Wahrnehmung. Ich erkläre mir zu oft zurecht, was mich eigentlich verletzt.
Es kostet uns als Paar …
… echte Gespräche. Wir reden über Abläufe, aber kaum noch über das, was wirklich zwischen uns steht.
Es kostet mich als Mensch …
… Würde. Ich nehme Dinge hin, die ich keiner Freundin schönreden würde.
Wenn ich das weitere sechs Monate mittrainiere, passiert wahrscheinlich …
… werde ich nach außen weiter funktionieren und innen immer weniger erreichbar sein.
Wenn du Angst bekommst
Es kann sein, dass diese Übung kurz Druck macht.
Das ist verständlich.
Dann atme einmal durch und erinnere dich:
Du musst heute keine endgültige Entscheidung treffen.
Du musst nicht heute wissen, ob du bleibst oder gehst.
Du musst heute nur den Preis sehen.
Mehr nicht.
Klarheit ist manchmal unbequem.
Aber Unklarheit ist auf Dauer oft teurer.
Was du heute nicht tun musst
Du musst deinem Partner diese Liste nicht sofort zeigen.
Du musst ihm keine Rechnung vorlegen.
Du musst aus dem Sechs-Monate-Satz keine Drohung machen.
Bitte kein:
„Wenn du so weitermachst, bin ich in sechs Monaten weg.“
Das kann irgendwann ein wichtiges Gespräch werden.
Heute ist es noch nicht der Punkt.
Heute gehört die Übung zuerst zu dir.
Sie soll dich sammeln.
Nicht die nächste Eskalation vorbereiten.
Tagesaufgabe
Fülle diese vier Sätze aus:
Es kostet mich innerlich …
Es kostet uns als Paar …
Es kostet mich als Mensch …
Wenn ich das weitere sechs Monate mittrainiere, passiert wahrscheinlich …
Danach lies den letzten Satz noch einmal.
Langsam.
Der Satz muss nicht schön sein.
Er muss wahr genug sein, damit du ihn nicht mehr wegschiebst.
Mini-Transfer für den Alltag
Achte heute auf einen kleinen Preis im Alltag.
Nicht den großen Schmerz.
Nur einen kleinen Preis.
Vielleicht merkst du:
„Ich bin wieder vorsichtiger geworden.“
Oder:
„Ich habe wieder gelacht, obwohl mir nicht danach war.“
Oder:
„Ich habe wieder so getan, als wäre alles normal.“
Schreib diesen kleinen Preis auf.
Ein Satz reicht.
Merksatz
Was du hinnimmst, trainierst du mit. Auch wenn du es nie gewollt hast.
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