Coach:
Ole Böseke
Tag 10: Die Schadensentscheidung

So erkennst du deine Schadensentscheidung

Heute geht es um den Moment, in dem du lieber treffen willst als führen.

Das ist kein angenehmes Thema.

Aber es ist ein wichtiges.

Denn viele alte Abläufe werden nicht nur dadurch stark, dass einer ausweicht, schweigt oder sich zurückzieht.

Sie werden auch dadurch stark, dass irgendwann Sätze fallen, die Schaden anrichten.

Vielleicht als Spitze.

Vielleicht als Vorwurf.

Vielleicht als kühle Bemerkung.

Vielleicht als Satz, bei dem du schon vorher weißt:

„Der wird sitzen.“

Heute schaust du genau auf diesen Moment.

Ohne Selbstanklage.

Ohne Ausrede.

Klar.

Die heutige Übung

Du arbeitest heute mit einer typischen Situation.

Wähle eine Szene, in der du manchmal einen Satz sagst, der treffen soll.

Vielleicht laut.

Vielleicht leise.

Vielleicht als Kommentar nebenbei.

Vielleicht als Blick mit Satz dahinter.

Vielleicht als Rückzug mit Botschaft.

Du füllst fünf Punkte aus:

Wenn ich treffen will, sage oder tue ich oft …

Eigentlich will ich damit erreichen …

Tatsächlich trainiere ich damit …

Der Moment davor fühlt sich bei mir so an …

Mein neuer Führungssatz lautet …

Nimm dir dafür 15 bis 20 Minuten.

Schritt 1

Wenn ich treffen will, sage oder tue ich oft …

Beschreibe deinen typischen Treffer.

Bitte bleib konkret.

Kein allgemeines:

„Ich bin dann ungerecht.“

Besser:

„Ich sage: War ja klar, dass du wieder nichts sagst.“

Oder:

„Ich mache eine Bemerkung darüber, dass man sich auf ihn sowieso nicht verlassen kann.“

Oder:

„Ich werde sehr kühl und sage: Lass gut sein.“

Oder:

„Ich erwähne alte Situationen, obwohl sie zum aktuellen Thema nicht gehören.“

Oder:

„Ich mache mich über sein Ausweichen lustig.“

Schreibe:

Wenn ich treffen will, sage oder tue ich oft …

Wichtig:

Es geht nicht um den schlimmsten Satz deines Lebens.

Es geht um den typischen Satz, der bei dir im alten Ablauf auftaucht.

Schritt 2

Eigentlich will ich damit erreichen …

Jetzt schaust du unter den Satz.

Was soll dieser Satz bewirken?

Willst du, dass er dich endlich ernst nimmt?

Willst du, dass er merkt, wie verletzt du bist?

Willst du, dass er nicht wieder einfach davonkommt?

Willst du, dass er aufwacht?

Willst du, dass er sich schlecht fühlt?

Willst du wenigstens für einen Moment nicht die Unterlegene sein?

Diese Frage braucht Ehrlichkeit.

Nicht jedes Motiv klingt edel.

Das ist okay.

Du musst hier keine schöne Antwort abgeben.

Schreibe:

Eigentlich will ich damit erreichen …

Beispiele:

„Eigentlich will ich damit erreichen, dass er endlich merkt, wie oft er ausweicht.“

„Eigentlich will ich damit erreichen, dass er sich nicht wieder so leicht aus der Verantwortung zieht.“

„Eigentlich will ich damit erreichen, dass er spürt, wie allein ich mich fühle.“

„Eigentlich will ich damit erreichen, dass ich mich für einen Moment stärker fühle.“

Schritt 3

Tatsächlich trainiere ich damit …

Jetzt kommt der ehrliche Blick auf die Wirkung.

Was trainierst du mit diesem Satz oder Verhalten wirklich?

Mehr Klärung?

Oder eher Abwehr?

Mehr Nähe?

Oder mehr Abstand?

Mehr Verantwortung?

Oder mehr Verteidigung?

Mehr Respekt?

Oder mehr Verletzung?

Hier geht es um die Wirkung, nicht um die Absicht.

Deine Absicht kann verständlich sein.

Die Wirkung kann trotzdem schädlich sein.

Schreibe:

Tatsächlich trainiere ich damit …

Beispiele:

„Tatsächlich trainiere ich damit, dass er sich verteidigt und mein Anliegen nicht mehr hört.“

„Tatsächlich trainiere ich damit, dass wir wieder über meinen Ton reden statt über das Thema.“

„Tatsächlich trainiere ich damit Abstand.“

„Tatsächlich trainiere ich damit, dass ich mich später selbst nicht mehr gut finde.“

Schritt 4

Der Moment davor fühlt sich bei mir so an …

Jetzt gehst du an die eigentliche Stelle.

Wie merkst du, dass du kurz vor der Schadensentscheidung bist?

Vielleicht wird dein Kopf sehr schnell.

Vielleicht kommt ein Satz wie:

„Jetzt reicht es.“

Vielleicht willst du auf keinen Fall nachgeben.

Vielleicht willst du, dass er endlich etwas spürt.

Vielleicht bekommst du einen starken Drang, den Satz genau so zu sagen.

Vielleicht fühlst du dich kurz überlegen.

Vielleicht fühlst du dich gleichzeitig verletzt und entschlossen.

Schreibe:

Der Moment davor fühlt sich bei mir so an …

Das ist wichtig.

Denn du kannst den schädlichen Satz nur früher stoppen, wenn du seinen Vorlauf erkennst.

Schritt 5

Mein neuer Führungssatz lautet …

Jetzt formulierst du einen Satz, der dich aus dem Treffer-Impuls herausführt.

Der Satz soll kurz sein.

Er soll zu dir passen.

Er soll verhindern, dass du noch mehr Schaden dazulegst.

Beispiele:

„Ich merke, dass ich gerade treffen will. Ich stoppe hier.“

„Ich bin verletzt, aber ich will nicht verletzen.“

„Ich will Wirkung. Das ist gerade kein guter Gesprächsort.“

„Ich bleibe beim aktuellen Punkt.“

„Ich sage jetzt keinen Satz, den ich später aufräumen muss.“

„Ich will klären, nicht gewinnen.“

„Ich brauche kurz Abstand, bevor ich unfair werde.“

Schreibe:

Mein neuer Führungssatz lautet …

Ein Beispiel

Wenn ich treffen will, sage oder tue ich oft …

„War ja klar, dass du wieder ausweichst.“

Eigentlich will ich damit erreichen …

Dass er merkt, wie oft ich mich mit halben Antworten allein fühle.

Tatsächlich trainiere ich damit …

Dass er sich verteidigt und wir wieder über meinen Ton sprechen.

Der Moment davor fühlt sich bei mir so an …

Ich denke: „Jetzt soll er endlich merken, wie wütend ich bin.“

Mein neuer Führungssatz lautet …

„Ich merke, dass ich gerade treffen will. Ich bleibe beim Punkt: Ich brauche eine klare Antwort.“

Noch ein Beispiel

Wenn ich treffen will, sage oder tue ich oft …

„Mit dir kann man einfach nicht reden.“

Eigentlich will ich damit erreichen …

Dass er aufhört auszuweichen und im Gespräch bleibt.

Tatsächlich trainiere ich damit …

Dass das Gespräch endgültig kippt und er noch weniger erreichbar wird.

Der Moment davor fühlt sich bei mir so an …

Ich fühle mich allein und will den Satz benutzen, damit er reagiert.

Mein neuer Führungssatz lautet …

„Ich fühle mich gerade allein im Gespräch. Ich will das sagen, ohne dich abzuwerten.“

Wenn du dich ertappt fühlst

Dieser Tag kann unangenehm sein.

Vielleicht merkst du:

„Ja, ich will manchmal treffen.“

Gut.

Dann bist du ehrlich.

Viele Menschen wollen manchmal treffen.

Der Unterschied liegt darin, ob man diesen Moment erkennt oder ihn als berechtigte Klarheit verkauft.

Bitte mach aus dieser Erkenntnis keine Selbstanklage.

Selbstangriff hilft hier nicht.

Er macht nur die nächste Schleife auf.

Sag lieber:

„Da ist ein Moment, in dem ich Schaden anrichten könnte. Ich will ihn früher erkennen.“

Das reicht.

Was du heute nicht tun musst

Du musst deinem Partner heute keine Beichte ablegen.

Du musst dich nicht für jeden Satz der letzten Jahre bestrafen.

Du musst auch nicht so tun, als hättest du keinen Grund für deinen Ärger.

Heute geht es nur darum, den Moment zu erkennen, in dem aus Ärger Schaden werden kann.

Das ist ein wichtiger Unterschied.

Tagesaufgabe

Fülle diese fünf Punkte aus:

Wenn ich treffen will, sage oder tue ich oft …

Eigentlich will ich damit erreichen …

Tatsächlich trainiere ich damit …

Der Moment davor fühlt sich bei mir so an …

Mein neuer Führungssatz lautet …

Lies den Führungssatz danach laut.

Mehrmals.

Er muss nicht schön sein.

Er muss im entscheidenden Moment auffindbar sein.

Mini-Transfer für den Alltag

Achte heute auf diesen einen Moment:

Will ich gerade klären — oder will ich treffen?

Du musst nicht jedes Mal sofort alles lösen.

Früher merken reicht.

 

Merksatz

Wer treffen will, hat die Zusammenarbeit schon verlassen.

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