Coach:
Ole Böseke
Tag 11: Klarheit ohne Härte

So findest du Klarheit ohne Härte

Heute trainierst du eine dritte Spur.

Viele Frauen kennen zwei alte Richtungen.

Sie machen sich zu klein, halten zu lange still oder lassen etwas durchgehen, obwohl es in ihnen längst arbeitet.

Oder sie werden irgendwann scharf, greifen an, werfen alte Dinge dazu und fühlen sich danach selbst nicht wohl.

Beides ist verständlich.

Beides kann aus Überforderung entstehen.

Aber beides führt selten gut.

Heute übst du Klarheit ohne Härte.

Klarheit heißt:

Du sagst, was los ist.

Du bleibst beim aktuellen Punkt.

Du sprichst so, dass dein Anliegen erkennbar bleibt.

Du führst dich, bevor dein Ton das Gespräch übernimmt.

Die heutige Übung

Du übersetzt heute drei alte Sätze.

Ein alter Satz ist ein Satz, der bei dir im Konflikt leicht auftaucht und meistens nicht gut führt.

Vielleicht ist er zu pauschal.

Vielleicht ist er zu scharf.

Vielleicht ist er zu müde.

Vielleicht enthält er einen Vorwurf, obwohl darunter ein echtes Anliegen liegt.

Du arbeitest mit drei Schritten:

Mein alter Satz lautet …

Dahinter steckt eigentlich …

Klarer könnte ich sagen …

Bitte wähle drei Sätze.

Nimm Sätze, die du wirklich kennst.

Keine künstlichen Beispiele.

Schritt 1

Mein alter Satz lautet …

Schreibe einen Satz auf, der bei dir im Streit schnell kommt.

Zum Beispiel:

„Du hörst mir nie zu.“

„Dann mach doch, was du willst.“

„Immer muss ich alles ansprechen.“

„Mit dir kann man nicht reden.“

„Ist doch egal.“

„Du verstehst sowieso nicht, worum es mir geht.“

„Ich bin es leid.“

„Du machst eh, was du willst.“

„Ich sage gar nichts mehr.“

Schreibe:

Mein alter Satz lautet …

Wähle einen Satz, bei dem du weißt:

Wenn ich ihn sage, geht selten etwas Gutes weiter.

Schritt 2

Dahinter steckt eigentlich …

Jetzt gehst du unter den alten Satz.

Was ist dein eigentliches Anliegen?

Unter „Du hörst mir nie zu“ steckt vielleicht:

„Ich brauche, dass du wirklich im Gespräch bist.“

Unter „Dann mach doch, was du willst“ steckt vielleicht:

„Ich fühle mich gerade machtlos und will nicht so tun, als sei mir das egal.“

Unter „Immer muss ich alles ansprechen“ steckt vielleicht:

„Ich brauche, dass du Verantwortung für unsere Beziehung mitträgst.“

Unter „Mit dir kann man nicht reden“ steckt vielleicht:

„Ich brauche ein Gespräch, in dem du nicht sofort ausweichst.“

Schreibe:

Dahinter steckt eigentlich …

Dieser Schritt ist wichtig.

Denn oft ist der alte Satz nur die schlechte Verpackung eines berechtigten Anliegens.

Wir werfen heute nicht das Anliegen weg.

Wir wechseln die Verpackung.

Schritt 3

Klarer könnte ich sagen …

Jetzt formulierst du den Satz neu.

Er soll drei Dinge können:

Er bleibt beim aktuellen Punkt.

Er greift nicht an.

Er macht dein Anliegen sichtbar.

Beispiele:

Alt:

„Du hörst mir nie zu.“

Dahinter steckt:

„Ich brauche, dass du wirklich im Gespräch bist.“

Klar:

„Ich rede nur weiter, wenn ich merke, dass du wirklich im Gespräch bist.“

Alt:

„Dann mach doch, was du willst.“

Dahinter steckt:

„Ich will mich nicht in einen Kampf ziehen lassen.“

Klar:

„Ich ziehe mich jetzt aus diesem Gespräch raus, bevor ich unfair werde. Wir klären das später weiter.“

Alt:

„Immer muss ich alles ansprechen.“

Dahinter steckt:

„Ich möchte, dass Verantwortung nicht nur bei mir landet.“

Klar:

„Ich brauche, dass du deinen Teil am Gespräch übernimmst.“

Alt:

„Mit dir kann man nicht reden.“

Dahinter steckt:

„Ich brauche, dass du im Gespräch bleibst, statt auszuweichen.“

Klar:

„Ich merke, dass wir gerade nicht wirklich im Gespräch sind. Ich will weitermachen, wenn du bereit bist, beim Thema zu bleiben.“

Alt:

„Ist doch egal.“

Dahinter steckt:

„Ich will gerade aufgeben, obwohl es mir wichtig ist.“

Klar:

„Es ist mir nicht egal. Ich brauche nur einen Moment, um es klar zu sagen.“

Schreibe:

Klarer könnte ich sagen …

Woran du einen guten klaren Satz erkennst

Ein guter klarer Satz klingt nicht wie eine Anklage.

Er klingt auch nicht wie eine Bitte um Erlaubnis.

Er steht.

Du kannst ihn aussprechen und danach bei dir bleiben.

Ein guter klarer Satz hat meist diese Eigenschaften:

Er bleibt bei einem Punkt.

Er enthält keine Generalabrechnung.

Er enthält keine Wörter wie „immer“ oder „nie“, wenn sie nur Feuer machen.

Er beschreibt, was du brauchst oder was du tust.

Er verletzt nicht absichtlich.

Er lädt eher zur Verantwortung ein, als den anderen in die Ecke zu stellen.

Vor allem:

Du kannst dich selbst noch respektieren, nachdem du ihn gesagt hast.

Das ist ein guter Test.

Deine drei Übersetzungen

Fülle für drei Sätze diese Struktur aus:

Satz 1

Mein alter Satz lautet …

Dahinter steckt eigentlich …

Klarer könnte ich sagen …

Satz 2

Mein alter Satz lautet …

Dahinter steckt eigentlich …

Klarer könnte ich sagen …

Satz 3

Mein alter Satz lautet …

Dahinter steckt eigentlich …

Klarer könnte ich sagen …

Was du heute nicht tun musst

Du musst heute nicht alle schwierigen Sätze in deinem Leben umbauen.

Du musst keinen perfekten Ton finden.

Du musst auch nicht besonders sanft klingen.

Klarheit reicht.

Ein brauchbarer Satz reicht.

Wenn er etwas unbeholfen klingt, ist das okay.

Neue Sprache fühlt sich am Anfang manchmal an wie neue Schuhe.

Man merkt sie.

Nach ein paar Wiederholungen laufen sie sich ein.

Tagesaufgabe

Übersetze heute drei alte Sätze.

Nutze diese Struktur:

Mein alter Satz lautet …

Dahinter steckt eigentlich …

Klarer könnte ich sagen …

Danach lies jeden neuen Satz laut.

Achte darauf:

Kannst du diesen Satz sagen, ohne dich kleinzumachen?

Kannst du ihn sagen, ohne absichtlich zu verletzen?

Kannst du ihn sagen, ohne fünf weitere Sätze hinterherzuschieben?

Wenn ja, hast du einen brauchbaren klaren Satz.

Mini-Transfer für den Alltag

Achte heute auf einen alten Satz, der in dir auftaucht.

Du musst ihn nicht sofort laut neu formulieren.

Es reicht, wenn du innerlich merkst:

„Das ist die alte Fassung. Was ist mein eigentlicher Punkt?“

Genau dort beginnt Klarheit.

 

Merksatz

Klarheit muss nicht laut werden, um ernst gemeint zu sein.

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