Coach:
Ole Böseke
Tag 3: Deine alte Schutzreaktion

Tag 3

Deine alte Schutzreaktion

 

Heute geht es um das, was du automatisch machst, wenn Druck entsteht.

Also um die Reaktion, die schneller kommt als dein guter Vorsatz.

Vielleicht erklärst du dann sehr viel.

Vielleicht kontrollierst du.

Vielleicht wirst du scharf.

Vielleicht wirst du klein.

Vielleicht schweigst du.

Vielleicht funktionierst du.

Vielleicht sammelst du Beweise.

Vielleicht entschuldigst du dich zu schnell.

Für diese Übung musst du dich nicht bewerten.

Du sollst nur erkennen:

Was tue ich automatisch, wenn es in mir eng wird?

Nimm dafür wieder eine typische Situation aus deiner Beziehung.

Am besten keine Ausnahmeszene.

Keinen großen Sonderfall.

Nimm eine Szene, die du kennst.

Zum Beispiel:

Du sprichst etwas an, und er weicht aus.

Er reagiert genervt.

Er sagt wieder nichts.

Er macht einen Witz über etwas, das dir ernst ist.

Er dreht das Gespräch plötzlich um.

Du merkst, dass du innerlich Druck bekommst.

Und jetzt schaust du nicht zuerst auf ihn.

Du schaust auf dich.

Was machst du dann meistens?

Schritt 1

Wähle deine häufigste Schutzreaktion

Bitte wähle nur eine.

Nicht die schönste.

Nicht die, die am besten klingt.

Die ehrlichste.

Meine häufigste Schutzreaktion ist:

Ich erkläre.

Ich kontrolliere.

Ich werde scharf.

Ich werde klein.

Ich schweige.

Ich mache alles allein.

Ich suche Beweise.

Ich entschuldige mich zu schnell.

Falls du zwischen zwei Reaktionen schwankst, nimm die, die am schnellsten kommt.

Die erste Reaktion ist oft der beste Hinweis.

Schreibe:

Meine häufigste Schutzreaktion ist …

Schritt 2

Wovor schützt mich das?

Jetzt wird es interessant.

Denn diese Reaktion ist nicht einfach Unsinn.

Sie will etwas für dich tun.

Erklären schützt dich vielleicht davor, missverstanden zu werden.

Kontrolle schützt dich vielleicht davor, dich ausgeliefert zu fühlen.

Schärfe schützt dich vielleicht davor, übergangen zu werden.

Kleinwerden schützt dich vielleicht davor, Verbindung zu verlieren.

Schweigen schützt dich vielleicht davor, noch verletzlicher zu werden.

Funktionieren schützt dich vielleicht davor, dass alles zusammenbricht.

Beweise sammeln schützt dich vielleicht davor, an deiner Wahrnehmung zu zweifeln.

Zu schnelle Entschuldigung schützt dich vielleicht davor, die Spannung auszuhalten.

Schreibe:

Meine Reaktion schützt mich vor …

Schritt 3

Was kostet es mich?

Jetzt kommt die andere Seite.

Jede Schutzreaktion hat einen Nutzen.

Und jede Schutzreaktion hat einen Preis.

Erklären kann dich schützen. Aber vielleicht fühlst du dich danach wie eine Bittstellerin für deine eigene Wahrnehmung.

Kontrolle kann kurz beruhigen. Aber vielleicht kommst du innerlich nie zur Ruhe.

Schärfe kann dich aufrichten. Aber vielleicht wird dein Anliegen unter deinem Ton begraben.

Schweigen kann Eskalation vermeiden. Aber vielleicht gehst du innerlich immer weiter weg.

Funktionieren kann den Alltag retten. Aber vielleicht merkt niemand, dass du längst nicht mehr kannst.

Schreibe:

Diese Reaktion kostet mich …

Schritt 4

Was passiert danach fast immer?

Jetzt schaust du auf die Folgen.

Nicht auf die Absicht.

Die Absicht kann gut sein. Aber entscheidend ist, was danach tatsächlich passiert.

Wird das Gespräch besser?

Wird es kälter?

Wird er dichter?

Wirst du erschöpfter?

Geht es plötzlich um deinen Ton?

Bleibt das eigentliche Thema liegen?

Bleibt am Ende wieder alles an dir hängen?

Schreibe:

Danach passiert meistens …

Schritt 5

Was möchte ich stattdessen trainieren?

Jetzt kommt der kleine Richtungswechsel.

Bitte mach daraus keine große Lebensreform.

Nicht:

„Ich werde ab jetzt ganz anders.“

Das ist zu groß.

Nimm eine kleine neue Reaktion.

Einen Satz.

Eine Pause.

Eine klare Frage.

Eine Grenze.

Ein Nicht-Weiter-Erklären.

Ein Nicht-Sofort-Entschuldigen.

Beispiele:

„Ich erkläre meinen Punkt einmal und höre dann auf.“

„Ich stelle eine klare Frage und warte auf eine Antwort.“

„Ich sage, dass ich kurz Pause brauche.“

„Ich entschuldige mich erst, wenn ich geprüft habe, wofür genau.“

„Ich sammle keine Beweise mehr. Ich benenne den aktuellen Punkt.“

„Ich mache nicht sofort alles allein.“

Schreibe:

Stattdessen trainiere ich …

Tagesaufgabe

Fülle diese fünf Sätze aus:

Meine häufigste Schutzreaktion ist …

Sie schützt mich vor …

Sie kostet mich …

Danach passiert meistens …

Stattdessen trainiere ich …

Lies dir die fünf Sätze danach langsam durch.

Achte besonders auf den Satz:

Sie schützt mich vor …

Dort steckt oft mehr Wahrheit, als man zuerst denkt.

Und dann auf:

Sie kostet mich …

Dort steckt der Grund, warum du etwas Neues trainieren willst.

Mini-Transfer für den Alltag

Achte heute nur auf diesen einen Moment:

Wann springt meine alte Schutzreaktion an?

Du musst sie heute noch nicht immer stoppen.

Du sollst sie früher bemerken.

Das ist Training genug für diesen Tag.

 

Merksatz

Deine alte Reaktion ist nicht dein Charakter. Sie ist ein trainierter Schutz.

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