Coach:
Ole Böseke
Tag 15: Was passiert, wenn du anders reagierst?

So beobachtest du, was sich zeigt

Heute beginnt die dritte Woche.

In den ersten beiden Wochen hast du viel über deinen Anteil im alten Ablauf gesehen.

Jetzt schaust du auf die Wirkung.

Was passiert, wenn du nicht mehr automatisch an der alten Stelle mitgehst?

Wenn du anders reagierst, verändert sich das gemeinsame Muster.

Manchmal entsteht mehr Ruhe.

Manchmal entsteht Irritation.

Manchmal wird dein Partner neugierig.

Manchmal wird er gereizt.

Manchmal zeigt sich auch, dass wenig Bereitschaft da ist.

Alles davon ist Information.

Heute betrachtest du deine Beziehung weniger aus Hoffnung.

Du beobachtest genauer, was tatsächlich passiert.

Die heutige Übung

Wähle eine Situation, in der du in den letzten Tagen anders reagiert hast als sonst.

Das muss kein großer Moment sein.

Vielleicht hast du weniger erklärt.

Vielleicht hast du früher pausiert.

Vielleicht hast du klarer gesprochen.

Vielleicht hast du eine Grenze sauberer formuliert.

Vielleicht hast du nicht die alte Rolle übernommen.

Vielleicht hast du nach einem Kippen schneller zurückgefunden.

Du arbeitest mit fünf Sätzen:

Früher hätte ich …

Diesmal habe ich …

Seine Reaktion war …

Meine Reaktion darauf war …

Das sagt mir …

Nimm dir 15 bis 20 Minuten.

Schritt 1

Früher hätte ich …

Beschreibe, was du früher vermutlich getan hättest.

Bitte bleib konkret.

Beispiele:

„Früher hätte ich weiter erklärt, bis ich völlig erschöpft gewesen wäre.“

„Früher hätte ich so getan, als sei es mir egal.“

„Früher hätte ich mehrere Fragen hintereinander gestellt.“

„Früher hätte ich eine Spitze gesetzt.“

„Früher hätte ich mich zurückgezogen und innerlich weiterdiskutiert.“

„Früher hätte ich das Thema fallen lassen, obwohl es für mich wichtig war.“

Schreibe:

Früher hätte ich …

Dieser Schritt ist wichtig, weil du dadurch die Veränderung überhaupt erkennst.

Manchmal übersieht man den eigenen Fortschritt, weil er klein ist.

Kleine Veränderung zählt trotzdem.

Schritt 2

Diesmal habe ich …

Jetzt beschreibst du, was du diesmal anders gemacht hast.

Auch hier bitte konkret.

Beispiele:

„Diesmal habe ich meinen Punkt nur einmal gesagt.“

„Diesmal habe ich eine Pause gemacht, bevor mein Ton gekippt ist.“

„Diesmal habe ich gesagt, dass mir das Thema wichtig bleibt.“

„Diesmal habe ich das Gespräch beendet, als es abwertend wurde.“

„Diesmal habe ich nach einem unguten Satz neu angesetzt.“

„Diesmal habe ich nicht sofort Verantwortung übernommen, die nicht nur meine ist.“

Schreibe:

Diesmal habe ich …

Bitte mache die Veränderung nicht kleiner, nur weil sie nicht riesig war.

Eine neue Reaktion beginnt selten als großer Auftritt.

Sie beginnt oft als unscheinbare Abweichung vom alten Ablauf.

Schritt 3

Seine Reaktion war …

Jetzt schaust du auf seine Reaktion.

Bitte beschreibe sie möglichst sachlich.

Nicht sofort bewerten.

Nicht sofort erklären.

Nur beobachten.

Hat er zugehört?

Hat er nachgefragt?

War er irritiert?

Wurde er gereizt?

Hat er gespottet?

Ist er ausgewichen?

Hat er das Thema gewechselt?

Hat er kurz Verantwortung übernommen?

Hat er gar nicht reagiert?

Hat er später noch einmal Kontakt gesucht?

Schreibe:

Seine Reaktion war …

Wichtig:

Eine einzelne Reaktion entscheidet noch nicht alles.

Heute sammelst du Information.

Keine endgültige Diagnose.

Schritt 4

Meine Reaktion darauf war …

Jetzt schaust du wieder auf dich.

Was hast du mit seiner Reaktion gemacht?

Bist du ruhig geblieben?

Bist du sofort enttäuscht gewesen?

Bist du zurück in die alte Rolle gegangen?

Hast du weitergeführt?

Hast du abgebrochen?

Hast du deine Grenze gehalten?

Hast du dich danach selbst ernst genommen?

Hast du seine Reaktion sofort als Beweis genommen, dass alles sinnlos ist?

Schreibe:

Meine Reaktion darauf war …

Dieser Schritt ist wichtig.

Denn manchmal reagiert der Partner anders als gewohnt, aber wir selbst finden es noch nicht sofort wieder.

Auch das ist Training.

Schritt 5

Das sagt mir …

Jetzt kommt die Auswertung.

Bitte vorsichtig.

Kein großes Urteil aus einer Szene.

Besser ein kleiner Satz.

Beispiele:

„Das sagt mir, dass er bei einem ruhigeren Einstieg eher zuhört.“

„Das sagt mir, dass er irritiert ist, wenn ich nicht mehr hinterherlaufe.“

„Das sagt mir, dass meine Grenze das Gespräch eher schützt.“

„Das sagt mir, dass ich noch schnell enttäuscht bin, wenn er nicht sofort anders reagiert.“

„Das sagt mir, dass sein Ausweichen auch dann bleibt, wenn ich klarer spreche.“

„Das sagt mir, dass ich meine Veränderung öfter wiederholen muss, bevor ich mehr erkenne.“

Schreibe:

Das sagt mir …

Achte auf das Wort mir.

Heute geht es um deine Beobachtung.

Nicht um ein endgültiges Urteil über ihn.

Ein Beispiel

Früher hätte ich …

… weiter erklärt, warum mir gemeinsame Zeit fehlt.

Diesmal habe ich …

… meinen Punkt einmal gesagt und dann gewartet.

Seine Reaktion war …

… erst genervt, dann still. Nach ein paar Minuten hat er gefragt, was ich konkret meine.

Meine Reaktion darauf war …

… ich war überrascht und bin beim aktuellen Punkt geblieben.

Das sagt mir …

… dass weniger Erklären bei uns vielleicht mehr Raum schafft.

Noch ein Beispiel

Früher hätte ich …

… nach seiner ausweichenden Antwort mehrere Fragen hintereinander gestellt.

Diesmal habe ich …

… gesagt, dass ich eine klare Antwort brauche, und dann pausiert.

Seine Reaktion war …

… er hat abgelenkt und später so getan, als sei das Thema erledigt.

Meine Reaktion darauf war …

… ich war enttäuscht, habe aber nicht weiter gebohrt.

Das sagt mir …

… dass mein ruhigeres Verhalten gut für mich war, aber seine Bereitschaft gerade noch offen bleibt.

Wenn du noch keine passende Situation hast

Vielleicht hast du in den letzten Tagen noch keine Situation erlebt, in der du wirklich anders reagiert hast.

Dann nimm eine kleine Szene.

Auch ein innerer Unterschied zählt.

Vielleicht hast du einen alten Satz nicht gesagt.

Vielleicht hast du deinen Ton früher bemerkt.

Vielleicht hast du eine Situation später klarer ausgewertet.

Vielleicht hast du nicht sofort alles auf dich bezogen.

Wenn du wirklich keine Szene findest, bereite eine typische Szene vor:

„Wenn diese Situation wiederkommt, will ich diesmal …“

Dann kannst du die Übung später nachholen.

Was du heute nicht tun musst

Du musst keine endgültige Entscheidung treffen.

Du musst aus einer Reaktion deines Partners kein großes Urteil bauen.

Du musst auch nicht beweisen, dass dein neues Verhalten sofort wirkt.

Heute beobachtest du.

Das ist genug.

Beobachtung schützt dich vor zwei alten Fallen:

zu schnelle Hoffnung

und zu schnelle Enttäuschung

Beides kann dich vom genauen Hinsehen abbringen.

Tagesaufgabe

Fülle diese fünf Sätze aus:

Früher hätte ich …

Diesmal habe ich …

Seine Reaktion war …

Meine Reaktion darauf war …

Das sagt mir …

Lies danach besonders den letzten Satz.

Ist er Beobachtung?

Oder schon Urteil?

Wenn er wie ein endgültiges Urteil klingt, mach ihn kleiner.

Besser:

„Das sagt mir für diese Situation …“

So bleibst du klarer.

Mini-Transfer für den Alltag

Achte heute auf diesen Punkt:

Was verändert sich, wenn ich den alten Ablauf nicht bediene?

Vielleicht wenig.

Vielleicht mehr als erwartet.

Beides zählt als Information.

Merksatz

Eine Beziehung zeigt ihren Zustand oft erst, wenn einer nicht mehr wie gewohnt funktioniert.

© Paarkitt-Online Paartherapie-LLC