Paarkitt Blog: Beziehung als Training

Über Streit, Rückzug, Nähe und die Frage, wie Kooperation im Alltag trainierbar wird.

Beziehung retten: Was Ihr tun könnt, bevor Ihr Euch endgültig verliert

Wann sind wir eigentlich zu diesem Paar geworden?

Vielleicht kennst Du diesen Moment.

Ihr sitzt abends auf dem Sofa. Früher habt Ihr dort geredet, Euch berührt, irgendeinen Quatsch gemacht.

Heute sitzt jeder auf seiner Seite.

Du schaust aufs Handy. Dein Partner schaut Fernsehen.

Eigentlich ist nichts passiert.

Und genau das macht Dir Sorgen.

Kein großer Streit. Keine gepackten Koffer. Niemand hat gesagt: „Ich gehe.“

Trotzdem merkst Du etwas.

Ihr seid noch zusammen. Doch etwas zwischen Euch ist leiser geworden.

Vielleicht denkst Du manchmal:

Wann sind wir eigentlich zu diesem Paar geworden?

Zu diesem Paar, bei dem ein falscher Ton genügt.

Zu diesem Paar, das bei manchen Themen schon vorher weiß, wie das Gespräch endet.

Zu diesem Paar, das den Alltag gut organisiert und sich dabei immer öfter verpasst.

Manchmal gibt es noch Streit. Manchmal längst viel weniger.

Beides kann wehtun.

Beim Streit denkst Du: Warum schaffen wir es einfach nicht, vernünftig miteinander umzugehen?

In der Stille denkst Du irgendwann: Ist da überhaupt noch genug zwischen uns?

Und dann beginnt die Suche.

Wie kann man eine Beziehung retten?

Mehr reden klingt erst einmal vernünftig

Wenn es zwischen zwei Menschen schwierig wird, kommt fast automatisch der Rat:

„Ihr müsst mehr miteinander reden.“

Also redet Ihr.

Über Eure Kommunikation.

Über das letzte Gespräch.

Über Eure Kindheit.

Über das, was vor vier Jahren passiert ist.

Über das Gespräch, das Ihr letzte Woche über das Gespräch von vor vier Jahren geführt habt.

Manchmal entsteht dabei tatsächlich etwas Gutes.

Du verstehst plötzlich, weshalb Dein Partner bei Kritik sofort dichtmacht.

Er versteht vielleicht, weshalb Dich sein Schweigen so trifft.

Am Dienstagabend kommt dann dieser eine Satz.

Und plötzlich seid Ihr wieder mittendrin.

Du weißt inzwischen, woher Deine Reaktion kommt.

Trotzdem kommt sie.

Das ist bei Beziehungen ähnlich wie beim Tennis.

Du kannst Dir zwanzig Videos über die Rückhand ansehen. Du kannst genau erklären, wie der Schläger geführt werden soll.

Dann kommt der Ball mit Tempo.

Dein Körper macht das, was er geübt hat.

Genau da liegt das Problem vieler Paare:

Sie haben verstanden, was falsch läuft. Ihr Verhalten läuft trotzdem weiter.

Falls Du oft das Gefühl hast, dass Deine Worte beim anderen gar nicht mehr ankommen, lies auch:

Mein Partner hört mir nicht zu

Euer alter Ablauf ist schneller als Euer guter Vorsatz

Fast jedes Paar entwickelt mit den Jahren feste Abläufe.

Du sprichst etwas an.

Dein Partner hört Kritik.

Er verteidigt sich.

Du merkst, dass Deine Botschaft verloren geht.

Also erklärst Du mehr.

Jetzt hört er noch mehr Kritik.

Er zieht sich zurück.

Du willst endlich eine Antwort.

Er braucht Abstand.

Eine halbe Stunde später sitzt einer in der Küche und der andere im Wohnzimmer.

Beide denken:

Mit dieser Person kann man einfach nicht reden.

Am nächsten Morgen sieht die Welt vernünftiger aus.

Vielleicht entschuldigt Ihr Euch.

Vielleicht nehmt Ihr Euch vor, es beim nächsten Mal anders zu machen.

Dann kommt das nächste Mal.

Und Euer alter Ablauf steht schon bereit.

Der hat einen Trainingsvorsprung.

Zehn Jahre.

Fünfzehn Jahre.

Vielleicht länger.

Falls Rückzug und Schweigen bei Euch eine große Rolle spielen, findest Du dazu mehr hier:

Was tun, wenn der Partner sich zurückzieht?

Die Beziehung verändert sich ein paar Sekunden früher

Der interessante Moment eines Streits liegt häufig vor dem Streit.

Du hörst diesen Ton.

Du siehst diesen Blick.

Da ist sofort der Gedanke:

Jetzt fängt das schon wieder an.

Deine Antwort liegt Dir schon auf der Zunge.

Genau dort beginnt das Training.

Ein paar Sekunden früher.

Was machst Du jetzt?

Gehst Du wieder in Deine bekannte Reaktion?

Oder probierst Du etwas anderes?

Vielleicht fragst Du einmal nach, bevor Du Deine Erklärung über das Verhalten Deines Partners fertig gebaut hast.

Vielleicht sagst Du Deinen Ärger einen Satz kleiner.

Vielleicht unterbrichst Du das Gespräch und vereinbarst gleichzeitig, wann Ihr weiterredet.

Das klingt wenig spektakulär.

Doch Beziehungen bestehen zum größten Teil aus genau solchen kleinen Momenten.

Dienstag. 18.17 Uhr.

Spülmaschine offen.

Milch leer.

Einer müde.

Der andere genervt.

Da entscheidet sich viel mehr als bei einem guten Gespräch am Sonntagvormittag.

Streit ist nur eine Baustelle

Manche Paare streiten laut.

Andere haben das Streiten längst aufgegeben.

Von außen sieht das manchmal sogar friedlich aus.

Der Einkauf funktioniert.

Die Termine stehen im Kalender.

Einer bringt das Auto zur Inspektion.

Der andere kümmert sich um die Steuer.

Abends sitzt jeder auf seiner Seite des Sofas.

Alles läuft.

Nur dieses „Wir“ taucht immer seltener auf.

Man kann erstaunlich lange zusammenleben und dabei Stück für Stück aufhören, wirklich miteinander zu leben.

Dann fällt irgendwann der Satz:

„Wir müssten mal wieder mehr Zeit miteinander verbringen.“

Und vielleicht macht Ihr Euch einen schönen Abend.

Das tut gut.

Drei Tage später hat der Alltag Euch wieder.

Nähe entsteht aus vielen kleinen Erfahrungen.

Wie begrüßt Ihr Euch?

Was passiert, wenn einer etwas erzählt?

Wie reagiert Ihr auf ein Nein?

Wie endet ein Streit?

Bleibt danach tagelang etwas zwischen Euch liegen?

Oder findet Ihr wieder zueinander?

Alte Rechnungen sitzen oft mit am Tisch

Nach vielen gemeinsamen Jahren gibt es Material.

Da war dieser Satz.

Dieser Urlaub.

Diese Lüge.

Dieser Abend, an dem einer den anderen gebraucht hätte.

Vielleicht wurde etwas besprochen.

Vielleicht sogar mehrfach.

Trotzdem taucht es beim nächsten Streit wieder auf.

„Damals hast Du …“

„Und was war mit Dir?“

„Ich habe wenigstens …“

„Dafür musste ich jahrelang …“

Plötzlich führt Ihr Buch.

Jeder hat Belege.

Jeder kennt die offenen Posten.

Und beide warten darauf, dass der andere endlich zugibt, wie viel Schaden er angerichtet hat.

Schuld kann dabei durchaus klar sein.

Nur beantwortet sie eine andere Frage als die, die Euch heute weiterbringt.

Die nächste lautet:

Was machen wir jetzt damit?

Mehr dazu findest Du hier:

Schuld oder Verantwortung in der Beziehung: Der große Unterschied

Vertrauen kommt selten durch einen großen Satz zurück

Nach einer Verletzung hoffen viele Menschen auf diesen einen Moment.

Die richtige Entschuldigung.

Die ganze Wahrheit.

Eine Erklärung, nach der endlich wieder Ruhe ist.

Gespräche gehören dazu.

Danach zählt, was erlebt wird.

Jemand sagt, dass er anruft.

Und ruft an.

Ein schwieriges Thema wird angekündigt.

Und später wirklich besprochen.

Ein Streit beginnt.

Diesmal endet er anders.

So sammelt Ihr neue Erfahrungen.

Die alte Erfahrung sagt:

Vorsicht. Ich kenne das.

Irgendwann kommt etwas dazu:

Dieses Mal lief es anders.

Ein einziges gutes Wochenende schafft diesen Wechsel selten.

Wiederholung hat mehr Kraft.

Auch körperliche Nähe beginnt lange vor dem Bett

Viele Paare merken ihre Entfernung irgendwann an der Sexualität.

Weniger Berührung.

Kein Sex.

Kaum noch Küsse.

Jeder schläft auf seiner Seite.

Dann soll das Thema geklärt werden.

„Warum willst Du mich eigentlich nicht mehr?“

Ein ausgesprochen zuverlässiger Satz, wenn man den restlichen Abend ebenfalls ruinieren möchte.

Körperliche Nähe hat oft eine längere Vorgeschichte.

Wie war Euer Kontakt während des Tages?

Gab es Berührung ohne Erwartung?

Konntet Ihr Euch nach Verletzungen wieder annähern?

Hat einer von Euch längst Sorge, dass jede Berührung automatisch zu mehr führen soll?

Der Körper führt ziemlich genau Buch darüber, wie sicher und willkommen sich Nähe anfühlt.

Falls Euch dieses Thema beschäftigt:

Keine körperliche Nähe mehr in der Beziehung – was jetzt?

Und was passiert, wenn Ihr einfach weitermacht?

Diese Frage stellen sich viele Paare erstaunlich spät.

Nehmen wir einmal an, Ihr verändert gar nichts.

Ihr reagiert im nächsten Jahr ungefähr so wie im vergangenen.

Dieselben Themen.

Dieselben Antworten.

Dieselben Rückzüge.

Was passiert dann?

Vielleicht streitet Ihr weiter.

Vielleicht wird der Streit sogar weniger.

Das muss keine gute Nachricht sein.

Manchmal wird es ruhiger, weil einer aufhört, noch etwas anzusprechen.

„Lohnt sich eh nicht.“

Dieser Satz wird oft gar nicht ausgesprochen.

Er läuft irgendwann im Kopf.

Dann fragt einer weniger.

Der andere erzählt weniger.

Man versucht weniger.

Und irgendwann vermisst man etwas, das man selbst seit Monaten kaum noch gefüttert hat.

Das Gemeine daran:

So ein Rückzug fühlt sich zunächst sogar erleichternd an.

Weniger Streit.

Weniger Diskussion.

Weniger Enttäuschung.

Dafür wächst die Entfernung.

Langsam genug, dass man sich daran gewöhnt.

Bis einer irgendwann sagt:

„Ich weiß gar nicht mehr, was ich noch fühle.“

Dann kommt die Frage nach der Trennung plötzlich sehr groß auf den Tisch.

Dabei hat sie vielleicht Monate vorher klein angefangen.

Mit einem Gespräch, das wieder vertagt wurde.

Mit einem Abend, an dem keiner mehr gefragt hat.

Mit dem Gedanken:

Heute habe ich keine Lust mehr.

Vielleicht habt Ihr längst verstanden, was bei Euch passiert

Viele Paare kommen irgendwann an einen merkwürdigen Punkt.

Sie können ihre Probleme ziemlich gut erklären.

„Ich ziehe mich zurück, wenn ich mich angegriffen fühle.“

„Ich werde lauter, wenn ich das Gefühl habe, dass Du mich ignorierst.“

„Dann gehst Du.“

„Dann werde ich noch wütender.“

Stimmt alles.

Und trotzdem passiert es am Donnerstag wieder.

Das ist der Moment, an dem Menschen müde werden.

Ihr habt geredet.

Ihr habt Euch vorgenommen, etwas zu ändern.

Vielleicht habt Ihr sogar Bücher gelesen.

Ein paar Wochen war es besser.

Dann genügte ein Tonfall, ein Blick oder eine alte offene Rechnung.

Schon wart Ihr wieder da.

Genau hier reicht ein weiterer guter Vorsatz selten.

Ihr braucht Training.

Beziehung retten heißt: anders reagieren lernen

Das klingt weniger romantisch als ein Wochenende im Wellnesshotel.

Dafür funktioniert es auch am Montag danach.

Du beobachtest zuerst, was tatsächlich passiert.

Dann suchst Du die Stelle, an der Dein alter Ablauf beginnt.

Dort übst Du eine andere Reaktion.

Beim nächsten Mal wieder.

Und noch einmal.

Eine neue Sportart lernst Du genauso.

Kein Tennistrainer sagt nach einer Stunde:

„Du hast die Vorhand jetzt verstanden. Damit sind wir durch.“

Du schlägst Bälle.

Du korrigierst.

Du schlägst wieder.

Irgendwann kommt die neue Bewegung auch dann, wenn der Ball schneller wird.

Warum erwarten wir ausgerechnet bei Beziehungen, dass Verstehen allein reicht?

„Ich weiß doch, dass ich ruhiger bleiben sollte.“

Gut.

Jetzt kommt der interessante Teil:

Kannst Du es auch, wenn Du gerade richtig sauer bist?

Vielleicht brauchst Du keinen neuen Partner

Manchmal taucht irgendwann der Gedanke auf:

Mit jemand anderem wäre das alles leichter.

Kann sein.

Nur kommt bei der nächsten Beziehung eine bekannte Person wieder mit:

Du.

Mit Deinen Reaktionen.

Mit Deiner Art, auf Kritik zu antworten.

Mit dem, was Du machst, wenn Du Angst bekommst.

Mit Deinem Rückzug.

Deiner Ungeduld.

Deinen alten Schutzprogrammen.

Dein Partner bringt seinen Rucksack ebenfalls mit.

Deshalb lohnt sich ein Blick auf den eigenen Anteil.

Damit gibst Du Dir Einfluss zurück.

Du kannst Deinen Partner kaum per Fernbedienung verändern.

Deinen nächsten Spielzug kannst Du trainieren.

Eine einfache Frage für heute

Nimm eine Situation, die bei Euch immer wieder vorkommt.

Keinen kompletten Beziehungsroman.

Eine Szene reicht.

Der Satz beim Abendessen.

Das Schweigen im Auto.

Die Diskussion vorm Einschlafen.

Dann frag Dich:

Bin ich mit meiner Reaktion zufrieden?

Falls Deine Antwort Nein lautet, hast Du Deinen Trainingsplatz gefunden.

Du brauchst dafür keine neue Persönlichkeit.

Du brauchst eine bessere Reaktion an einer bekannten Stelle.

Wenn Du denkst: Wir können nicht noch ein Jahr so weitermachen

Vielleicht hast Du beim Lesen an mehreren Stellen gedacht:

Ja. Genau so läuft es bei uns.

Vielleicht kennt Ihr Eure Muster längst.

Ihr habt darüber gesprochen.

Ihr habt Euch versprochen, etwas zu ändern.

Und beim nächsten schwierigen Moment seid Ihr wieder in derselben Runde gelandet.

Dann fehlt Euch vermutlich keine weitere Erklärung.

Ihr braucht einen Ablauf.

Einen nächsten Schritt, wenn Ihr festhängt.

Eine konkrete Aufgabe, wenn Reden gerade nichts bringt.

Eine Möglichkeit, Eure Reaktionen Stück für Stück anders zu trainieren.

Genau dafür habe ich „Wenn der letzte Strohhalm zur Rettungsleine wird“ entwickelt.

Der Kurs führt Euch durch die Bereiche, an denen Beziehungen häufig hängen bleiben:

Ihr schaut Euch Eure Streitabläufe an.

Ihr lernt, Gespräche anders zu führen.

Ihr arbeitet an Vertrauen und Nähe.

Ihr beschäftigt Euch mit alten Verletzungen, Verzeihen und Loslassen.

Auch Intimität, der eigene Anteil und die Frage, wie Ihr künftig miteinander leben wollt, gehören dazu.

Der Kurs besteht aus 9 Modulen mit 54 kurzen Lektionen.

Jede Lektion nimmt einen überschaubaren Teil Eurer Beziehung in den Blick.

Kein „Ab morgen machen wir alles anders“.

Ihr fangt dort an, wo Ihr gerade steht.

Der Kurs kostet 197 Euro.

Vielleicht ist der letzte Strohhalm genau der Moment, an dem Ihr aufhört, nur über Eure Beziehung nachzudenken.

Und anfangt, etwas zu trainieren.

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ÜBER DEN AUTOR

Autor

Ole Böseke

Ole arbeitet mit Paaren an den Momenten, in denen Gespräche kippen. Kooperation versteht er als Entscheidung im richtigen Moment. Seine Arbeit verbindet Beziehung mit Training: beobachten, üben und im Alltag früher anders reagieren.

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