Paarkitt Blog: Beziehung als Training

Über Streit, Rückzug, Nähe und die Frage, wie Kooperation im Alltag trainierbar wird.

Partner will keine Paartherapie? Das kannst Du allein tun

Du sitzt mit dem Handy am Küchentisch.

Vielleicht hast Du gerade „Paartherapie Partner will nicht“ eingegeben. Vielleicht bist Du schon beim dritten Artikel.

Fünf Meter weiter sitzt der Mensch, mit dem Du das Problem gern lösen möchtest.

Und sagt:

„Ich brauche so etwas nicht.“

Da ist er. Dieser Moment, in dem man gleichzeitig wütend, ratlos und müde werden kann.

Du suchst.
Du liest.
Du denkst nach.

Er lehnt ab.

Und irgendwann kommt die Frage:

Warum soll eigentlich schon wieder ich etwas tun?

Eine faire Frage.

Nur hat sie einen Haken:

Wenn Dein nächster Schritt davon abhängt, dass Dein Partner zuerst mitmacht, liegt Dein Leben plötzlich in seiner Hosentasche.

Du kannst keinen Doppelpass allein spielen. Deinen ersten Ballkontakt kannst Du trotzdem trainieren.

Was die Absage Deines Partners mit Dir macht

„Ich gehe zu keiner Paartherapie.“

Der Satz beendet häufig mehr als einen Termin.

Er beendet für einen Moment auch die Hoffnung, gemeinsam etwas anzupacken.

Vielleicht hast Du lange gebraucht, um das Thema überhaupt anzusprechen.

Du hast auf einen ruhigen Abend gewartet. Dir vorgenommen, ohne Vorwurf zu reden.

Dann kommt ein Nein.

Oder schlimmer:

„Du hast doch das Problem.“

Jetzt passiert etwas Interessantes.

Viele Menschen beginnen an dieser Stelle, den Partner zu überzeugen.

Sie erklären Paartherapie.

Schicken einen Link.

Erzählen von anderen Paaren.

Versichern, dass dort niemand auf der Anklagebank sitzt.

Der Partner bleibt bei seinem Nein.

Also wird noch besser erklärt.

Irgendwann führt Ihr keinen Streit mehr über Eure Beziehung.

Ihr streitet darüber, ob Ihr Hilfe braucht.

Das alte Problem sitzt daneben und hat frei.

Die Falle heißt Warten

Du kannst jetzt sagen:

„Dann kann ich eben nichts machen.“

Das klingt logisch. Eine Beziehung besteht aus zwei Menschen.

Trotzdem kann dieser Satz Dich für Monate festhalten.

Du wartest darauf, dass er einsieht, was Du längst siehst.

Du wartest auf Bereitschaft.

Auf den richtigen Moment.

Vielleicht kommt zwischendurch ein guter Abend.

Ihr lacht.

Er nimmt Dich in den Arm.

Für zwei Tage fühlt sich alles leichter an.

Dann passiert wieder das Alte.

Ein Blick.

Ein Satz.

Ein Rückzug.

Ein Gespräch, das versandet.

Und Du stehst wieder an derselben Stelle.

Die unangenehme Frage lautet irgendwann:

Wie lange willst Du darauf warten, dass jemand anderes Deinen ersten Schritt erlaubt?

Dein Anteil ist kleiner, als Du denkst – und größer, als Du glaubst

Du kannst Deinen Partner zu keiner Paartherapie zwingen.

Du kannst ihn auch nicht dazu bringen, zuzuhören, Verantwortung zu übernehmen oder Nähe zu wollen.

Das ist seine Seite.

Deine Seite beginnt früher.

In der Küche.

Im Auto.

Bei der Nachricht auf dem Handy.

In den drei Sekunden, bevor Du wieder genau das machst, was Ihr beide seit Jahren kennt.

Nehmen wir eine Szene.

Du sagst:

„Können wir heute Abend reden?“

Er antwortet:

„Muss das jetzt schon wieder sein?“

Normalerweise schießt es sofort hoch.

„Mit Dir kann man ja nie reden.“

Und schon läuft das alte Spiel.

Was passiert, wenn Du dieses eine Mal anders reagierst?

„Heute muss es nicht sein. Sag mir bitte, wann Du Zeit dafür hast.“

Dann lässt Du den Satz stehen.

Kein Nachschlag.

Keine Erinnerung an die letzten acht Versuche.

Jetzt passiert etwas, das viel interessanter ist als jede Theorie über Eure Beziehung.

Du bekommst eine Antwort im Verhalten.

Nennt er später einen Zeitpunkt?

Kommt er auf Dich zu?

Vergisst er die Sache?

Weicht er wieder aus?

Genau da beginnt Beobachtung.

Ein anderer erster Ball verändert das Spiel

Vielleicht denkst Du jetzt:

„Super. Dann soll ich mich also ändern und er macht weiter wie bisher.“

Nein.

Du sollst aufhören, im Nebel zu stehen.

Wenn Du Deinen eigenen Ablauf einmal veränderst, siehst Du besser, was auf der anderen Seite passiert.

Bislang kann jeder Streit mit derselben Erklärung enden:

„Du hast Druck gemacht.“

„Du bist ausgewichen.“

„Du hast mich provoziert.“

„Du hast mich gar nicht erst reden lassen.“

Danach sitzt das Paar vor einem Berg aus gegenseitigen Beweisen.

Sobald Du an einer Stelle Deinen alten Anteil verlässt, wird etwas sichtbar.

Kommt Bewegung zurück?

Oder braucht Eure Beziehung tatsächlich immer Deine ganze Kraft, damit überhaupt etwas passiert?

Das ist Information.

Was, wenn er trotzdem sitzen bleibt?

Dann hast Du ebenfalls etwas erfahren.

Vielleicht war Deine Hoffnung bisher:

Wenn ich nur die richtigen Worte finde, versteht er es.

Wenn ich ruhiger werde, öffnet er sich.

Wenn der Zeitpunkt besser ist, klappt das Gespräch.

Solche Hoffnungen können lange tragen.

Manchmal tragen sie so lange, dass Jahre daraus werden.

Deshalb lohnt sich ein Test im Alltag.

Kein heimliches Prüfprogramm.

Kein Punktesystem.

Du veränderst Deinen Anteil dort, wo Du ihn tatsächlich beeinflussen kannst.

Dann schaust Du hin.

Worte sind angenehm.

Verhalten ist aufschlussreicher.

Wenn Dein Partner sagt: „Natürlich bist Du mir wichtig“, und schwierige Gespräche trotzdem jedes Mal vertagt, gehört beides zum Bild.

Wenn er Paartherapie ablehnt, gleichzeitig aber beginnt, anders mit Dir umzugehen, gehört auch das zum Bild.

Du brauchst weniger Deutung.

Du brauchst mehr Beobachtung.

Vielleicht brauchst Du gerade keine Entscheidung

Viele Frauen landen irgendwann bei der großen Frage:

Soll ich bleiben oder gehen?

Diese Frage kann einen nachts um halb drei beschäftigen und morgens beim Kaffee gleich wieder auftauchen.

Sie ist riesig.

Vielleicht ist sie für heute sogar zu groß.

Vor ihr liegt eine kleinere Frage:

Was passiert zwischen uns eigentlich immer wieder?

Und danach:

Was passiert, wenn ich meinen Teil an diesem Ablauf verändere?

Genau dafür gibt es das kostenlose E-Book „Zwischen Bleiben und Gehen“.

Es hilft Dir, aus dem Grübeln herauszukommen und genauer auf das zu schauen, was im Alltag tatsächlich passiert.


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Wo Dein Einfluss endet

Allein anfangen heißt keineswegs, eine Beziehung allein retten zu müssen.

Irgendwann braucht es ein Gegenüber.

Du kannst Deinen Ton verändern.

Du kannst früher stoppen.

Du kannst aufhören, hinterherzulaufen.

Du kannst klar sagen, was Du brauchst.

Bereitschaft kannst Du nicht herstellen.

Wenn Dein Partner jedes Gespräch verweigert, jede Grenze lächerlich macht oder dauerhaft keinerlei Interesse an Veränderung zeigt, gehört auch das zur Lage.

Manchmal ist genau diese Erkenntnis bitter.

Sie ist trotzdem besser als weitere zwölf Monate im Wartezimmer.

Bei Gewalt, Drohungen oder Angst brauchst Du Schutz und Unterstützung vor Ort. Beziehungstraining ist dafür der falsche Platz.

„Aber wenn nur ich anfange, gebe ich ihm doch recht“

Dieser Gedanke taucht oft auf.

Als ob der erste Schritt automatisch bedeutet:

„Ich bin schuld.“

Tut er nicht.

Wer zuerst trainiert, unterschreibt kein Schuldbekenntnis.

Du übernimmst nur die Stelle, auf die Du Zugriff hast.

Beim Tennis trainierst Du Deinen Aufschlag auch dann, wenn Dein Gegenüber schlecht retourniert.

Du trainierst ihn, weil er Deiner ist.

Mehr steckt zunächst gar nicht dahinter.

Wenn Dein Partner sich zurückzieht

Vielleicht zeigt sich Eure Lage weniger in Streit und mehr im Rückzug.

Du sprichst etwas an.

Er wird still.

Du fragst nach.

Er zieht sich weiter zurück.

Du wirst unruhiger.

Schon seid Ihr wieder in Eurem bekannten Ablauf.

Dazu passt dieser Beitrag:

Was tun, wenn der Partner sich zurückzieht?

Falls Du häufiger denkst „Er hört mir einfach nicht zu“, findest Du hier einen zweiten Ansatz:

Mein Partner hört mir nicht zu

Hör auf, Deine Beziehung nur im Kopf zu verhandeln

Du kannst noch zwanzig Artikel lesen.

Du kannst mit Deiner besten Freundin zum sechsten Mal dieselbe Szene auseinandernehmen.

Du kannst Dir jeden guten Abend als Beweis für Hoffnung hinlegen und jeden schlechten Morgen als Gegenbeweis daneben.

Der Kopf findet immer noch eine Runde.

Irgendwann brauchst Du Material aus dem echten Leben.

Was wiederholt sich?

Was ändert sich, wenn Du anders reagierst?

Was kommt von ihm?

Genau dort beginnt Klarheit.

Das kostenlose E-Book Zwischen Bleiben und Gehen führt Dich durch diesen ersten Schritt.

Du musst heute keine Entscheidung über Dein ganzes Leben treffen.

Fang damit an, genauer hinzusehen.


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ÜBER DEN AUTOR

Autor

Ole Böseke

Ole arbeitet mit Paaren an den Momenten, in denen Gespräche kippen. Kooperation versteht er als Entscheidung im richtigen Moment. Seine Arbeit verbindet Beziehung mit Training: beobachten, üben und im Alltag früher anders reagieren.

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Blog erstellt mit FunnelCockpit