Viele Paare kommen gut vorbereitet.
Sie haben gelesen.
Markiert.
Fragen beantwortet.
Übungen ausgefüllt.
Manche bringen einen ganzen Stapel mit.
Arbeitsbücher. Ratgeber. Karten.
Und dann fällt dieser Satz:
„Im Alltag kriegen wir es trotzdem nicht hin.“
Das liegt selten an fehlender Einsicht.
Der Fehler steckt an einer anderen Stelle.
Das Wissen wurde in Ruhe gelernt.
Der Streit findet unter Druck statt.
Viele Arbeitsbücher bauen auf einer einfachen Annahme auf:
Wenn wir uns besser verstehen, handeln wir auch besser.
Im ruhigen Zustand stimmt das oft.
Sonntagvormittag. Kaffee auf dem Tisch. Beide haben Zeit.
Da klingt vieles einleuchtend.
Im Streit sieht es anders aus.
Dann greift selten zuerst das Gelernte.
Dann greift die Gewohnheit.
Wie früh dieser Ablauf beginnt, liest Du im Beitrag „Der Moment vor dem Satz“.
Ein Konflikt wird stark von dem Zustand geprägt, mit dem Ihr hineingeht.
Vom Körper.
Vom ersten inneren Zusammenziehen.
Vom Tonfall.
Vom Blick.
Vom Moment, in dem das Nervensystem Alarm meldet.
Ab da verliert Einsicht schnell an Kraft.
Dann laufen meist bekannte Programme an:
Angriff.
Rückzug.
Erstarren.
Das hat wenig mit Reife zu tun.
Der Körper versucht, Gefahr abzuwehren.
Viele Paare sagen:
„Wir wissen doch, wie es besser ginge.“
Genau da liegt das Problem.
Wissen hilft nur, wenn es im richtigen Moment verfügbar ist.
Und verfügbar ist vor allem das, was oft genug geübt wurde.
Kein Mensch fährt in einer Gefahrensituation sicher Auto, weil er ein Buch über Verkehr gelesen hat.
Kein Sportler bleibt unter Druck ruhig, weil er Ruhe gut erklären kann.
In Beziehungen läuft es genauso.
Unter Druck zeigt sich, was trainiert wurde.
Paarkitt fragt zuerst:
Bist Du in diesem Moment überhaupt kooperationsfähig?
Erst danach kommt die Frage:
Wie kannst Du Dich ausdrücken?
Das ist keine Bewertung.
Es ist eine Standortbestimmung.
Denn Kooperation zeigt sich kaum als fester Charakterzug.
Sie zeigt sich in dem Zustand, in dem Du gerade bist.
Der erste Impuls kommt automatisch.
Der Körper bewertet die Lage, bevor Dein Kopf sie sortiert hat.
Vielleicht entsteht Ärger.
Vielleicht Rückzug.
Vielleicht der Wunsch, sofort zurückzuschlagen.
Das ist keine Bosheit.
Es ist eine schnelle Schutzreaktion.
Die Frage lautet deshalb:
Gibst Du diesem Impuls jetzt das Steuer?
Genau einen Schritt später beginnt Verantwortung.
Warum dieser Schritt weniger mit Charakter als mit Übung zu tun hat, liest Du im Beitrag
„Kooperation in der Beziehung: Warum das keine Charakterfrage ist“.
Und genau dort beginnt Training.
Paarkitt arbeitet an Verlässlichkeit unter Druck.
Zuerst bemerkst Du Deinen Zustand.
Bist Du noch ansprechbar?
Oder läuft in Dir bereits Alarm?
Dann suchst Du den kleinen Moment vor der Reaktion.
Den Atemzug.
Den Blick.
Den Impuls, sofort etwas zu sagen.
An dieser Stelle triffst Du eine Kooperationsentscheidung:
Ich füge Dir jetzt keinen weiteren Schaden zu.
Danach folgt ein kleiner Schritt.
Du stoppst einen Satz.
Du gehst kurz aus der Situation.
Du senkst den Druck.
Erst wenn Ihr wieder ansprechbar seid, kommt der Inhalt auf den Tisch.
Warum Gespräche vorher oft ins Leere laufen, beschreibe ich im Beitrag „Warum Reden in Beziehungen überschätzt wird“.
Später prüfst Du nur:
Woran habe ich gemerkt, dass ich diesmal früher dran war?
So entsteht Training.
Mit kleinen Bewegungen, die im nächsten Streit wieder verfügbar sind.
Viele Bücher versprechen Nähe.
Im Streit bringt dieses Ziel kaum etwas.
Zuerst braucht der Körper Sicherheit.
Dann sinkt der Druck.
Erst danach wird ein Gespräch wieder möglich.
Nähe entsteht oft als Folge davon.
Darum setzt Paarkitt früher an:
Beim Zustand.
Beim ersten Impuls.
Beim nächsten Schritt.
Arbeitsbücher haben ihren Platz.
Sie ordnen Gedanken.
Sie geben Sprache.
Im Streit greift jedoch zuerst das, was Du trainiert hast.
Darum setzt Paarkitt am Moment vor der Reaktion an.
Was bemerkst Du?
Was läuft gerade an?
Welcher nächste Schritt richtet weniger Schaden an?
Was Du nicht trainierst, steht Dir im Konflikt kaum zur Verfügung.
Paarkitt ist ein Trainingssystem für Paare, die im entscheidenden Moment verlässlicher reagieren wollen.
Wenn Ihr wissen wollt, wo Euer Training beginnen kann, schauen wir im Erstgespräch auf typische Situationen aus Eurem Alltag.
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ÜBER DEN AUTOR

Ole Böseke
Ole arbeitet mit Paaren an den Momenten, in denen Gespräche kippen. Kooperation versteht er als Entscheidung im richtigen Moment. Seine Arbeit verbindet Beziehung mit Training: beobachten, üben und im Alltag früher anders reagieren.
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