Ein Brief an mich selbst, bevor ich gehe

Wenn Du innerlich schon die Tasche packst

Die Tasche steht noch im Schrank.

Dein Schlüssel liegt auf dem Tisch.

Der andere sitzt im Nebenzimmer und ahnt vielleicht kaum, wie oft Du in Gedanken schon gegangen bist.

Du hast Wohnungen angesehen.

Gespräche im Kopf geführt.

Dir vorgestellt, wie es wäre, morgens aufzuwachen und keine Spannung mehr im Bauch zu haben.

Dann kommt ein anderer Gedanke:

Was, wenn ich gehe und später merke, dass ich eigentlich bleiben wollte?

Dieser Brief ist für diesen Zwischenraum.

Für den Moment, in dem Du kaum noch weißt, ob Du Deinen Partner verlassen möchtest oder nur das Leben, das Ihr gerade miteinander führt.

Gehen beginnt oft lange vor der Tür

Viele Trennungen beginnen still.

Einer wird höflicher.

Gespräche werden kürzer.

Gemeinsame Pläne reichen kaum noch weit über das nächste Wochenende hinaus.

Innerlich läuft bereits ein anderes Leben.

Dort ist Ruhe.

Eine eigene Wohnung.

Ein Bett, in dem niemand mit dem Rücken zum anderen liegt.

Diese Vorstellung kann trösten.

Sie kann auch erschrecken.

Denn manchmal ist der Wunsch zu gehen klar.

Manchmal ist er der letzte Versuch des Kopfes, endlich Ruhe zu bekommen.

Der Brief beginnt so:

Bevor ich gehe, möchte ich mir selbst eine Frage stellen.
Will ich diesen Menschen verlassen?
Oder will ich nur, dass es endlich aufhört, so weh zu tun?

Den vollständigen Brief herunterladen

Vielleicht brauchst Du heute noch keine Entscheidung.

Vielleicht brauchst Du zuerst einen Ort, an dem Deine Gedanken einmal nebeneinanderliegen dürfen.

Ohne Druck.

Ohne die Frage, was Du Deinem Partner erklären musst.

Hier kannst Du den vollständigen Brief kostenlos herunterladen

Erschöpfung klingt manchmal wie Klarheit

Nach einem langen Streit wirkt Gehen plötzlich sehr einfach.

Die Wohnung verlassen.

Das Handy ausschalten.

Ruhe haben.

Am nächsten Morgen sieht die Sache vielleicht wieder anders aus.

Das macht Deine Gedanken kaum unglaubwürdig.

Es zeigt nur, wie stark Dein Zustand die Antwort beeinflusst.

Eine Entscheidung, die Dein Leben verändert, verdient mehr als den Moment nach dem nächsten Streit.

Sie braucht einen Blick auf den ganzen Ablauf.

Was geschieht zwischen Euch?

Was hast Du versucht?

Was wurde besser?

Was kommt immer wieder?

Im Beitrag „Ich glaube, ich liebe Dich noch, aber ich halte Dich nicht mehr aus“ beschreibe ich, wie Beziehungen lange vor einer Trennung leise auseinander driften.

Bleiben aus Angst ist auch keine Entscheidung

Vielleicht hält Dich die Hoffnung.

Vielleicht hält Dich die gemeinsame Geschichte.

Vielleicht sind es Kinder, Geld oder die Angst vor dem Alleinsein.

Auch die Frage, was andere sagen, kann erstaunlich schwer auf einer Wohnungstür liegen.

Bleiben kann Liebe sein.

Bleiben kann Gewohnheit sein.

Manchmal ist es Angst in einer vertrauten Jacke.

Der Brief soll Dir keine Antwort geben.

Er soll Dir erlauben, ehrlicher hinzusehen.

Was hält Dich wirklich?

Was zieht Dich hinaus?

Und welche Reaktion wiederholst Du seit Jahren, obwohl sie Dich kaum näher an eine Entscheidung bringt?

Warum Verantwortung etwas anderes ist als Schuld, liest Du im Beitrag „Schuld oder Verantwortung in der Beziehung: Der große Unterschied“.

Die letzte Hoffnung trägt oft Arbeitskleidung

Menschen warten selten nur auf Liebe.

Sie warten auf einen Beweis.

Auf ein ernstes Gespräch.

Auf eine Entschuldigung.

Auf drei Wochen, in denen der andere sich endlich anders verhält.

Dann kommt wieder ein guter Abend.

Ein Lachen in der Küche.

Eine Hand auf dem Rücken.

Und die ganze Entscheidung gerät ins Wanken.

Das ist keine Schwäche.

Du hast eine Geschichte mit diesem Menschen.

Dein Körper kennt seine Nähe ebenso wie den Schmerz.

Darum reicht ein einzelner schöner Abend kaum als Beweis fürs Bleiben.

Ein einzelner schlechter Abend reicht ebenfalls kaum als Beweis fürs Gehen.

Du brauchst Beobachtung.

Was geschieht wiederholt?

Wer übernimmt Verantwortung?

Was wird tatsächlich geübt?

Vor der Entscheidung liegt oft eine kleine Reaktion

Auch in dieser Lage gibt es einen Moment vor dem Satz.

Dein Partner sagt etwas.

Du denkst:

Jetzt reicht es.

Vielleicht stimmt das.

Vielleicht spricht gerade die volle Tasse.

Bevor Du die nächste Tür zuschlägst oder eine weitere Drohung aussprichst, lohnt sich ein kurzer Stopp.

Was ist gerade geschehen?

Welche alte Geschichte läuft mit?

Will ich gehen?

Oder will ich, dass mein Schmerz endlich gesehen wird?

Diesen kurzen Moment beschreibe ich im Beitrag „Der Moment vor dem Satz“.

Du darfst eine Bedingung an Dein Bleiben knüpfen

Bleiben heißt kaum, alles weiter auszuhalten.

Du darfst sagen:

„So kann ich diese Beziehung nicht weiterführen.“

Du darfst benennen, was sich ändern muss.

Du darfst beobachten, ob auf Worte Handlungen folgen.

Eine Grenze ist keine Strafe.

Sie macht sichtbar, was Du für ein gemeinsames Leben brauchst.

Der andere darf darauf reagieren.

Er darf ablehnen.

Er darf sich bewegen.

Dann erhältst Du Informationen, mit denen Du arbeiten kannst.

Kooperation bedeutet dabei keine Selbstaufgabe. Wie sie unter Druck aussehen kann, liest Du im Beitrag „Kooperation in der Beziehung: Warum das keine Charakterfrage ist“.

Vielleicht brauchst Du noch keine Antwort

Manche Menschen kennen ihre Entscheidung längst.

Sie brauchen Mut.

Andere sind erschöpft und nennen diese Erschöpfung Entscheidung.

Beides fühlt sich ähnlich an.

Darum darfst Du Dir Zeit nehmen, solange Du dabei weder Dich selbst noch andere in Gefahr bringst.

Zeit allein klärt allerdings wenig.

Beobachten, prüfen und handeln bringen mehr.

Was geschieht, wenn Du eine Grenze setzt?

Was geschieht, wenn Du einen anderen Schritt versuchst?

Wie reagiert Dein Partner, wenn Du offen sagst, wie nah Du innerlich an der Tür stehst?

Die Antworten liegen oft weniger in weiteren Gedanken als in den nächsten sauberen Versuchen.

Wenn Du zwischen Bleiben und Gehen festhängst

Du musst diese Entscheidung heute kaum treffen.

Du brauchst zuerst einen klareren Blick auf das, was Dich hält, was Dich hinauszieht und was sich zwischen Euch tatsächlich noch bewegt.

Im 21-Tage-Kurs „Zwischen Bleiben und Gehen“ prüfst Du Deine Lage Schritt für Schritt.

Ohne schnelle Trennungsratschläge.

Ohne Druck, Dich sofort festzulegen.

Du beobachtest Deinen Alltag, Deine Reaktionen und die Stellen, an denen Du Dich selbst immer wieder verlässt.

Hier findest Du den 21-Tage-Kurs „Zwischen Bleiben und Gehen“

Du merkst bereits, dass Du allein immer wieder an derselben Stelle landest? Dann kannst Du zusätzlich ein kostenloses Erstgespräch buchen.


ÜBER DEN AUTOR

Autor

Ole Böseke

Ole arbeitet mit Paaren an den Momenten, in denen Gespräche kippen. Kooperation versteht er als Entscheidung im richtigen Moment. Seine Arbeit verbindet Beziehung mit Training: beobachten, üben und im Alltag früher anders reagieren.

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Blog erstellt mit FunnelCockpit