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Ein Brief, den ich nach unserem letzten Streit gern geschrieben hätte

Für den Menschen, den ich erreichen wollte und dabei von mir weggestoßen habe

Der Streit war vorbei. In meinem Kopf lief er weiter.

Du stehst in der Küche.

Auf der Arbeitsfläche liegt noch das Messer vom Abendessen.

Dein Partner ist im anderen Zimmer.

Die Tür ist offen. Trotzdem fühlt sich der Weg dorthin weit an.

Vor wenigen Minuten wolltest Du noch unbedingt gehört werden.

Jetzt gehst Du jeden Satz im Kopf noch einmal durch.

Diesen einen hättest Du gern zurück.

Bei einem anderen ärgerst Du Dich, dass Du ihn kaum klarer gesagt hast.

Vielleicht wartest Du darauf, dass Dein Partner zurückkommt.

Vielleicht hoffst Du auf eine Nachricht aus dem Nebenzimmer.

Und vielleicht denkst Du:

Warum schaffen wir es immer wieder, genau das zu verletzen, was wir eigentlich retten wollen?

Dieser Brief ist für den Moment danach.

Für das, was Du gern gesagt hättest, bevor aus Deiner Sehnsucht ein Angriff und aus seiner Überforderung ein Rückzug wurde.

Ich habe nach unserem Streit noch lange in der Küche gestanden.

Ein weiterer Vorwurf hätte uns kaum geholfen.

Ich habe nach dem Satz gesucht, den ich eigentlich sagen wollte.

Den vollständigen Brief herunterladen

Vielleicht möchtest Du diesen Brief Deinem Partner geben.

Vielleicht liest Du ihn zuerst nur für Dich.

Er muss den Streit heute noch kaum lösen. Er kann jedoch zeigen, was unter all den Sätzen eigentlich lag.

Eine Entschuldigung löscht Deine Verletzung selten aus

Nach einem Streit entsteht schnell eine falsche Wahl.

Entweder Du bleibst bei Deiner Anklage.

Oder Du entschuldigst Dich und gibst damit scheinbar zu, dass Dein Partner recht hatte.

Beides gehört eher nicht zusammen.

Du kannst sagen:

„Mein Ton war unfair.“

Und gleichzeitig bei Deiner Erfahrung bleiben:

„Das Thema ist mir weiterhin wichtig.“

Damit übernimmst Du Deinen Anteil am Ablauf.

Du erklärst Deine Verletzung weder für falsch noch für übertrieben.

Du räumst nur Deinen eigenen Spielzug auf.

Warum Verantwortung etwas anderes als Schuld bedeutet, liest Du im Beitrag „Schuld oder Verantwortung in der Beziehung: Der große Unterschied“.

Sag den Satz unter dem Satz

Vielleicht hast Du gesagt:

„Dir ist doch völlig egal, wie es mir geht.“

Darunter lag womöglich:

„Ich brauche gerade ein Zeichen, dass Du mich siehst.“

Vielleicht kam von Dir:

„Immer muss ich alles allein tragen.“

Gemeint war eher:

„Ich bin erschöpft und brauche heute Deine Hilfe.“

Der erste Satz greift den anderen an.

Der zweite gibt ihm eine Aufgabe, auf die er reagieren kann.

Das macht Deinen Wunsch nicht kleiner.

Es macht ihn sichtbarer.


ÜBER DEN AUTOR

Autor

Ole Böseke

Ole arbeitet mit Paaren an den Momenten, in denen Gespräche kippen. Kooperation versteht er als Entscheidung im richtigen Moment. Seine Arbeit verbindet Beziehung mit Training: beobachten, üben und im Alltag früher anders reagieren.

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