Viele Paare sagen im Erstgespräch sehr früh:
„Wir wollen ja eigentlich beide kooperativ sein.“
Das glaube ich ihnen sofort.
Fast alle Paare wollen das.
Und trotzdem eskaliert es.
Immer wieder.
Nicht, weil sie lügen.
Sondern weil sie zwei Dinge verwechseln.
Kooperation wird oft wie eine innere Einstellung behandelt.
Wie etwas, das man haben kann.
So nach dem Motto:
„Wenn ich mich richtig entscheide, dann bin ich kooperativ.“
Das funktioniert im Kopf.
Aber nicht im Stress.
Denn Kooperation ist kein Gedanke.
Kooperation ist Verhalten unter Druck.
Und genau dort zeigt sich, was wirklich verfügbar ist.
Im ruhigen Moment ist fast jeder kooperativ.
Da ist man verständnisvoll. Einsichtig. Offen.
Probleme entstehen nicht dort.
Sie entstehen:
– wenn der Ton kippt
– wenn ein Blick trifft
– wenn etwas Altes berührt wird
Dann geht es nicht mehr um Haltung.
Dann geht es um Geschwindigkeit.
Und Geschwindigkeit schlägt Absicht.
Im Streit bleibt keine Zeit für Überlegung.
Warum Reden im Streit oft zu spät kommt, habe ich im vorherigen Beitrag beschrieben.
Da fragt niemand:
„Was wäre jetzt die kooperative Lösung?“
Der Körper reagiert.
Sofort.
Er greift auf das zurück, was er kennt:
Angriff
Rückzug
Rechtfertigung
Schweigen
Nicht, weil das klug ist.
Sondern weil es vertraut ist.
Kooperation scheitert also nicht am Willen.
Sie scheitert an fehlender Abrufbarkeit.
Viele Menschen halten sich für unkooperativ,
weil sie im Streit Dinge tun, die sie eigentlich ablehnen.
Das ist hart.
Und unnötig.
Denn was hier sichtbar wird, ist kein Charakter.
Es ist ein Trainingsstand.
Niemand nennt sich unsportlich,
weil er nach drei Stockwerken außer Atem ist,
wenn er nie trainiert hat.
In Beziehungen machen wir genau das.
Kooperation kostet Energie.
Vor allem im Konflikt.
Sie verlangt:
innehalten
wahrnehmen
nicht sofort reagieren
Das sind keine Selbstverständlichkeiten.
Das sind Fähigkeiten.
Und Fähigkeiten entstehen nicht durch Einsicht.
Sondern durch Wiederholung.
Viele Paare sagen:
„Ich könnte ja anders reagieren.“
„Ich weiß, dass das jetzt nichts bringt.“
„Eigentlich will ich kooperativ bleiben.“
Das alles mag stimmen.
Und trotzdem reicht es nicht.
Zwischen wissen und können liegt Training.
Und das wird fast immer übersprungen.
Kooperation heißt nicht:
nachgeben
schlucken
ruhig bleiben um jeden Preis
Kooperation heißt:
Den anderen nicht beschädigen, auch wenn es innerlich zieht.
Das ist anspruchsvoll.
Und lernbar.
Aber nur, wenn man es nicht dem Zufall überlässt.
Nicht, weil sie unwillig sind.
Sondern weil sie erwarten,
dass Kooperation im Ernstfall einfach da ist.
Das ist sie nicht.
Sie muss vorbereitet werden.
Im Kleinen.
In ruhigen Momenten.
Nicht perfekt.
Nicht dauerhaft.
Aber regelmäßig.
Vielleicht ist die Frage nicht:
„Warum schaffen wir das nicht?“
Sondern:
„Warum glauben wir, dass wir es ohne Training schaffen müssten?“
Ab diesem Moment ändert sich etwas.
Nicht sofort im Streit.
Aber in der Haltung zum eigenen Scheitern.
Weniger Schuld.
Mehr Klarheit.
Kooperation ist nichts,
worauf man hoffen sollte.
Sie ist etwas,
das man sich erarbeitet.
Still.
Unspektakulär.
Wirksam.
Und genau dort beginnt Beziehungstraining.
ÜBER DEN AUTOR

Ole Böseke
Ole arbeitet mit Paaren, die alles wissen –
und im entscheidenden Moment trotzdem scheitern.
Ihn interessieren keine besseren Worte.
Ihn interessiert, was Menschen unter Stress wirklich tun.
Kooperation ist für ihn keine Haltung,
sondern eine Entscheidung im richtigen Moment.
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