Ihr sitzt auf demselben Sofa.
Zwischen Euch liegt vielleicht eine Decke. Vielleicht nur ein halber Meter.
Der Fernseher läuft.
Einer schaut hin. Der andere schaut aufs Handy.
Von außen sieht das nach einem normalen Abend aus.
In Dir sitzt trotzdem dieser Satz:
Du bist da. Und Du fehlst mir.
Das ist schwer auszuhalten.
Denn Vermissen wirkt verständlich, wenn jemand fort ist.
Es wird verwirrend, wenn der Mensch neben Dir sitzt.
Dieser Brief ist für genau diesen Moment.
Für den Menschen, den Du noch liebst.
Und kaum noch erreichst.
Viele Menschen wissen ziemlich genau, was sie fühlen.
Sie finden nur keinen Satz, der es trägt.
Beim Reden kommt zu viel dazwischen.
Der Blick des anderen.
Die Angst vor der nächsten Reaktion.
Die eigene Müdigkeit.
Dann bleibt alles wieder liegen.
Dieser Brief spricht aus, was in solchen Momenten oft nur im Kopf läuft.
Er ist kein Vorwurf.
Er ist auch kein fertiger Abschied.
Er ist ein Versuch, wieder erreichbar zu werden.
Du sitzt manchmal einen Meter von mir entfernt.
Auf dem Sofa. Am Küchentisch. Im Auto.
Ich könnte meine Hand ausstrecken und Dich berühren.
Trotzdem kommst Du mir weit weg vor.Den vollständigen Brief herunterladen
Vielleicht möchtest Du ihn Deinem Partner geben.
Vielleicht liest Du ihn erst einmal nur für Dich.
Beides ist in Ordnung.
Der Brief muss heute noch nichts lösen. Er darf zuerst einmal aussprechen, was schon lange in Dir liegt.
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Ein Brief öffnet eine Tür
Vielleicht gibst Du diesen Brief weiter.
Vielleicht speicherst Du ihn erst einmal und liest ihn später noch einmal.
Ein Brief kann einen Satz öffnen, der im Gespräch immer wieder verloren geht.
Danach beginnt der schwierige Teil.
Der andere liest Deine Worte.
Er reagiert vielleicht anders, als Du hoffst.
Vielleicht braucht er Zeit.
Vielleicht fühlt er sich getroffen.
Vielleicht sagt er erst einmal gar nichts.
Darum ist der Brief kein fertiges Gespräch.
Er ist eine Einladung.
Mehr über diesen Zustand liest Du im Beitrag „Ich glaube, ich liebe Dich noch, aber ich halte Dich nicht mehr aus“.
Der nächste Moment entscheidet mehr als der Brief
Vielleicht findet Ihr nach dem Lesen tatsächlich ein Gespräch.
Dann kommt schnell die alte Schwierigkeit zurück.
Ein Blick.
Ein Ton.
Eine Antwort, die anders klingt als erhofft.
Genau dort kann der Brief seine Wirkung wieder verlieren.
Darum zählt der Moment vor der nächsten Reaktion.
Bevor Du Dich zurückziehst.
Bevor Du Druck machst.
Bevor aus einem ehrlichen Satz wieder derselbe Streit wird.
Diesen kleinen Trainingsplatz beschreibe ich im Beitrag „Der Moment vor dem Satz“.
Nähe braucht mehr als den richtigen Satz
Ein ehrlicher Brief kann viel auslösen.
Er kann etwas sichtbar machen.
Er kann eine Tür öffnen.
Damit Ihr hindurchgeht, braucht es danach Kooperation.
Du sagst, was in Dir geschieht.
Der andere hört zu, ohne sofort ein Urteil daraus zu machen.
Beide bleiben ansprechbar, obwohl der Inhalt weh tut.
Wie Kooperation unter Druck aussehen kann, liest Du im Beitrag „Kooperation in der Beziehung: Warum das keine Charakterfrage ist“.
Wenn der Brief etwas in Bewegung bringt
Vielleicht liest Dein Partner den Brief und schweigt erst einmal.
Vielleicht kommt ein Gespräch.
Vielleicht taucht auch genau die alte Runde wieder auf.
Dann braucht Ihr einen Ort, an dem Ihr genauer hinschaut.
Im Erstgespräch suchen wir die Stelle, an der Ihr Euch immer wieder verliert.
Und den ersten Schritt, den Ihr dort anders setzen könnt.
ÜBER DEN AUTOR

Ole Böseke
Ole arbeitet mit Paaren an den Momenten, in denen Gespräche kippen. Kooperation versteht er als Entscheidung im richtigen Moment. Seine Arbeit verbindet Beziehung mit Training: beobachten, üben und im Alltag früher anders reagieren.
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